Ja, die Frauenquote bringt es … unbedingt

Heute ist “Internationaler Frauentag”. Der einst in den Ländern des “real existierenden Sozialismus” gefeierte Tag wurde in den Ländern des”real existierenden Kapitalismus” i.d.R. ignoriert. Nachdem nurmehr der “real existierenden Kapitalismus” übrig geblieben ist (gesiegt hat er ja nicht) erinnert sich zwar der eine oder andere noch an diesen Tag aber feiern? Kaum.

Das  hindert aber nicht das Thema “Gleichberechtigung” wieder einmal auf die Tagesordnung zu bringen. Anlaß ist eine Umfrage der Piratenpartei zur innerparteilichen Gleichberechtigung und Geschlechterdebatte und deren Ergebnisse. Auf alle Fälle jedenfalls sei eine Frauenquote ziemlich wichtig für die Politik.

Selbst der Landesgeschäftsführer der SPD in Berlin beeilte sich zu versichern, seine Partei sei einen Schritt weiter als die Piraten. Seit mehr als 20 Jahren gäbe es eine Frauenquote, und das habe den Parteialltag verändert.Den Parteialltag mag es verändert haben. Aber hat es den Frauen letztlich geholfen?

Wohlweislich vergaß er dabei wohl zu erwähnen, daß seine Partei auf Bundesebene u.a. mittels der Hartz IV Regelungen mit daran beteiligt ist, das Leben von allein erziehenden Müttern nicht gerade besonders einfach gemacht zu haben. Und diese Hartz IV Regelungen kamen dann TROTZ Quote zustande. Oder hatten die “Quoten-Frauen” der SPD einfach keinen Einfluß auf das Ergebnis? Ob das besonders frauenfreundlich ist, mag ein jeder selbst für sich entscheiden. Jedenfalls halten wir fest, die Frauenquote in der SPD hat keinen Einfluß auf die Frage ob die Politik der SPD nun frauenfreundlich ist.

Um es klar zu sagen, ja, ich bin für die Gleichberechtigung der Frau, aber nicht per Quotenbeschluß. Interessant erscheint mir die Aussage einer gerade nicht mehr als “sehr jung” zu bezeichnenden Frau neulich. Sie, mit DDR Hintergrund, faßte es so zusammen, “wenn die Frauen gleichberechtigt sein wollen, dann werden sie sich selber darum kümmern müssen. Aber Quotenfrauen sind nur Alibi-Frauen.”

Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Auch auf die Gefahr eines Shitstorms (den überlebe ich) habe ich eine Meinung zum Thema. Ich bin gegen die Frauenquote. Amtsinhaber sollten ihre Position auf Grund ihrer Qualifikation erhalten und nicht weil sie das richtige Geschlecht und zufällig auch die passende Qualifikation haben. Mit dieser Ansicht stehe ich übrigens in guter Übereinstimmung mit immerhin 73 % der befragten Frauen.


Ja, die Piraten und die Frauenquote. Wenn man den Tenor der Vertreterinnen der Frauenquote hört dann könnte man glauben die Frauenquote bringt bessere weil menschlichere Verhaltensweisen auf allen Ebenen und damit letztlich auch bessere Ergebnisse für alle. Und deshalb brauchen wir eine Frauenquote. Brauchen wir sie wirklich?

Prima, dann prüfen wir doch einmal die Realität. Die Frauenquote in der Bundesregierung dürfte kaum als schlecht zu bezeichnen sein. Bei 16 Kabinettsmitgliedern haben wir 6 Frauen im Ministerrang, bzw. als Kanzlerin, also 37,5 %. Keine schlechte Quote.

Wir haben eine Kanzlerin, eine Bundesbildungsministerin, eine Verbraucherministerin, eine Bundesfamilienministerin, die FDP stellt eine Bundesjustizministerin, die ich mal vom Rest ihrer Kolleginnen ausnehmen will. Und last but not least haben wir eine Bundesarbeitsministerin. Und … die Ergebnisse unserer Bundesregierung sind ein super, oder so. Oder etwa nicht?

Von der Bildungsministerin ist nichts Weltbewegendes zu hören und da Bildungspolitik Ländersache ist fragt man sich sowieso womit Frau Schavan ihr Geld verdient.

Die Verbraucherministerin zieht zwar ab und zu ein Dirndl an und schlendert über die Grüne Woche, aber sonst?

Die Bundesfamilienministerin schlägt sich für die “Heim-am-Herd”-Prämie genannt Betreuuungsgeld aber ansonsten?

Die Bundesarbeitsministerin und “Mutter der Nation” gefällt sich darin geschönte Arbeitslosenstatistiken zu verbreiten ohne wohlweislich kund zutun dass viele der “neuen Jobs” prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind die noch per Hartz IV “aufgestockt” werden müssen.

Lediglich die Bundesjustizministerin zeigt dass man als Frau nicht einknicken muss. Vorratsdatenspeicherung und ACTA stießen auf den Widerstand von Leutheusser-Schnarrenberger, zugegeben nachdem man ihr “aufs Pferd helfen mußte”

Und die Kanzlerin? Eilt von EU Gipfel zu EU Gipfel und streut deutsche Gelder in die angebliche Rettung des Euro oder Griechenlands (wahlweise) und erhöht so die von ihr gegeißelten Staatsschulden.

Man sieht, man muss einfach nur eine Quote haben und schon läuft’s. Oder eben auch nicht. M.E. nach ist die Frage der Frauenquote jedenfalls i.d.R. dann irrelevant wenn es um die Ergebnisse der Politik einer bestimmten Partei geht. So war Maggy Thatcher sicher eine Frau, war deshalb ihre Politik des puren Neoliberalismus gut? Die Partei Bündnis90/Grüne hat eine hohe Frauenquote. Hat das die Fraktion gehindert gemeinsam mit der SPD den Finanzmarkt zu “deregulieren”? Oder hat es die Grünen daran gehindert der “Agenda 2010” zuzustimmen? Politischer Quatsch bleibt für mich politischer Quatsch, egal ob ein Mann oder eine Frau ihn verzapfen. Der Beweis daß die Quote zu besserer Politik führt steht bisher noch aus.