Gestern war der Blockbuster “Das Rettungspaket für Griechenland - Teil 2 … jedefalls im Moment” im deutschen Bundestag zu bestaunen und Phoenix übertrug das Trauerspiel von 15:00 an. Wer da viel neues erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Auf der Bühne traten nur altbekannte Figuren mit ihren teilweise noch altbackeneren Argumenten auf. Nur eines war von Anfang an klar, der Wähler, dessen Vertreter die Abgeordneten sein sollen, der war abgemeldet.
Die Kanzlerin beschwor “Krieg und Frieden”, der rheinland-pfälzische Ersatzweinkönig mit der Nuschelstimme, FDP-Fraktionschef Brüderle, lobte die Regierung für ihre “europapolitische Schwerstarbeit”. Die Sozen, vertreten durch ihre finanzpolitische “Spitzenkraft” Steinbrück durften mitsalbadern um dann zuzustimmen und die Grünen ließen es sich nicht nehmen ebenfalls ihren Senf dazu zu reichen um dann, wer hätte es gedacht, doch zuzustimmen. Einzig Gregor Gysi brachte ein wenig Stimmung in die Konsens-Soße der “Demokraten” als er den seinerzeitigen Vertrag von Versailles bemühte. Volker Beck von den Grünen wachte auf und polterte gegen Gysi los um zugleich zu offenbaren, dass er erhebliche Defizite in deutscher Geschichte hat. Ihm sei der nachfolgende Copy-und-Paste-Satz zum Thema “Versailler Vertrag” aus Wikipedia gewidmet:
“Wegen seiner hart erscheinenden Bedingungen und seines Zustandekommens wurde der Vertrag von der Mehrheit der Deutschen als illegitim empfunden.” Dass die Griechen über die ihnen angedienten ”Rettungspakete” erbaut sind und sie unter Jubel- und Hochrufen wie seinerzeit das trojanische Pferd in ihre Stadtmauern holen, das wird selbst Herr Beck kaum sagen können. Aber das nur am Rande.
Ich erspare mir einmal die restlichen Redner zumal bei einigen von denen der alte Satz von Karl Valentin galt “Mögen hätt ich schon gern wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut”. Und schon vor dem Ende der Sitzung konnte man resümieren “Es ist alles gesagt worden, nur nicht von allen.” Interessanter ist es da schon, sich einmal die Argumentation eines “normalen” Bundestagsabgeordneten zu Gemüte zu führen, der klar macht warum er dem Rettungspaket zustimmt. Also nehmen wir einmal den Blog des CDU Abgeordneten Peter Tauber unter die Lupe. Auf alle Argumente einzugehen verbietet der Platz. Meine Kritiker, von denen die engagierteste und konstruktivste leider seit dem 14. Februar nicht mehr unter uns weilt, meinen eh dass ich kürzer schreiben solle.
Da ist es also, das Argument “Wir helfen also nicht nur den Griechen - so? Wem denn sonst noch?- , sondern wir schützen unseren Wohlstand und unsere Wirtschaft. Derzeit kann niemand verlässliche Aussagen bezüglich der Folgen einer griechischen Staatspleite für die deutsche Wirtschaft machen!”. Dies Argument habe ich schon allzu oft gehört.
Erstens - immer wenn ich das Wort WIR höre, dann hat derjenige der dieses Wort gebraucht in Wahrheit das Wort “IHR” gemeint. Richtig gelesen muss der Satz also heissen “Ihr helft also nicht nur den Griechen , sondern Ihr schützt unseren Wohlstand und unsere Wirtschaft. Und was in dem Zusammenhang mit den Begriffen “unser Wohlstand” gemeint ist das kann derjenige bestens nachvollziehen, der auf einer Leiharbeitstelle ist oder sein Leben als “Aufstocker” fristet. Er dürfte damit am wenigsten gemeint sein.
Kommen wir nun zu den “unabsehbaren Folgen”. Geht es da wirklich um Krieg und Frieden? Sind also Europa, der Euroraum und die sog. “Griechenlandrettung” wirklich so untrennbar mit einander verwoben dass der Wegfall des einen zu “unabsehbaren Folgen” für alle anderen führen würde?
Die gebetsmühlenartig vorgetragenen “unabsehbaren Folgen” werden zwar oftmals beschworen, allerdings, ohne dass derjenige der das Wort von den “unabsehbaren Folgen” im Munde führt diese ”unabsehbaren Folgen” auch benennen kann … oder will? Also entweder gibt es solche Folgen, dann kann man sie benennen, oder man behauptet sie einfach um ganz andere Folgen - die man in der Öffentlichkeit nicht benennen möchte - zu vermeiden. Mir würden da ein paar ”unabsehbaren Folgen” einfallen, so u.a. der Untergang von deutschen und französischen Banken und wir haben bald Wahlen, jedenfalls in Frankreich und es ist eine “unabsehbare Folge” was passiert wenn Monsieur Zarkozy die eben nicht gewinnen würde.
Die Banken haben schon seinerzeit bei den amerikanischen Subprime Krediten erhebliche Summen mittels “neuer innovativer strukturierter Finanz-Produkte” - gemeint sind eher windige Konstrukte die uns seinerzeit Herr Steinbrück und sein Adlatus, der damalige Staatssekretär Jörg Asmussen andiente - verbrannt. Und nun sollen die “Spitzenmanager” und selbsternannten “Eliten der Finanzindustrie” noch offenbaren dass sie auch an anderen Fronten Geld verbrannt haben? Soll etwa diskutiert werden dass die HRE nicht nur in der sog. “Bankenkrise” das Geld gleich milliardenweise verbrannt hat sondern auch bei ihrem Griechenlandengagement diverse Milliarden “über die Wupper” geschickt hat? Ja, geht’s noch gut? Fassen wir zusammen, es geht nicht darum Griechenland und die Griechen zu retten, es geht um Bankenrettung, aber das will niemand mehr sagen, weder die Opposition mit Ausnahme der Linken noch gar die teilnehmer der Tigerenten-Koalition.
Ja, das Geld dass Banker und Versicherungen, u.a. die Allianz, da an Griechenland verliehen hatten, u.a. damit die Griechen Waffenkäufe in Deutschland machen können, das ist u.a. das Geld von unsere Oma ihr Klein-Rente. Schließlich waren es ja nicht nur Banken, sondern auch Rentenversicherungsunternehmen die da die ihnen anvertrauten Gelder in “bombensicheren” Anlagen parkte, alles immer nach dem Motto “da ist das Geld gut angelegt, Staaten können nicht pleite gehen”.
Diese naseweisen “Finanzprofis” hatten aber ihre Hausaufgaben nur zum Teil gemacht. Sie hatten übersehen, dass Staaten eben doch pleite gehen können. Die Beispiele Argentinien (2001/ 2002) und Russland (1998 / 1999) hatten die meist hochbezahlten Laienschauspieler des Finanzzirkus entweder übersehen, oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen, alles gemäß dem alten Motto “Also schließt er messerscharf, dass nicht sein kann was nicht sein darf.” Und so hatten die sog. “institutionellen Anleger” Teile von Omas sauer ersparten Riestergroschen ebenso bei den Nachfahren des Tantalos abgeliefert wie auch die Deutsche Rentenversicherung - vormals BfA - es sich nicht nehmen ließ einige Milliönchen im Wege der “Krötenwanderung” bei den Hellenen zu versenken. Und genau da beginnt es mit den “unabsehbaren Folgen” die stets beschworen aber nie genau benannt wurden.
Na wenn DAS rauskommt dass der nette Kundenberater von Omas Bank oder Omas Versicherung nicht nur eine saftige Abschlussprovision für den Riestervertrag kassiert hat, sondern darüber hinaus auch noch daran beteiligt ist dass Oma ihre sauer vom Munde abgesparten Kröten vielleicht nicht wiedersieht, dann sind in der Tat die Folgen unabsehbar … für eben diese “Eliten”. Und darum, und nur darum, wird dem deutschen Michel derzeit Sand in ungeahntem Ausmass in die Augen gestreut.
Da werden “den Griechen” deutsche Steuerbeamte angeboten die den Augiasstall der Steuereintreibung beim Nachbarn ausmisten helfen sollen. Gegen solch eine “Entwicklungshilfe” ist nichts einzuwenden, wenn und soweit die so in die Rolle der “Beneficiaries” gesteckten Hilfeempfänger dem auch zustimmen. Bisher steht solch eine Zustimmung noch aus wie selbst bereits Minister Schäuble maulend feststellen mußte. Vielleicht liegt es u.a. daran, dass diese Hilfe zur Bekämpfung der Krise gerade von Leuten angeboten wird, die es bekanntlicherweise selbst mit der Ehrlichkeit was Geld anbelangt nicht so genau nehmen und Waffenhändlers Geldumschläge mal eben “vergessen”.
Da werden die “üppigen” Löhne der griechischen Normalbevölkerung unter die Lupe genommen um Griechenland “wettbewerbsfähig” zu machen. Was hat man in diesem Zusammenhang unter “Wettbewerbsfähigkeit” zu verstehen? Tatsächlich gibt es Stimmen die sich nicht entblöden Griechenland, ein Land das schon seit “Ewigkeiten” ein Land des Westens ist, mit Bulgarien zu vergleichen, einem Land das erst seit 1990 Schritte in Richtung Demokratisierung unternommen hat. Diese Stimmen stellten dann fest, dass die Löhne in Bulgarien “wettbewerbsfähiger” sein als die “überhöhten” Einkommen in Griechenland. Nicht gesagt wurde in diesem Zusammenhang von den Apologeten des Wettbewerbes wohlweislich dass die fürstlichen Entlohnungen die man nun im Namen des Wettbewerbes zu senken gedenke sich im Bereich um die 500 bis 800 Euro monatlich bewegen. Klar dass man sich beim “Sparen” - gemeint ist in der Tat die Streichung von Ausgaben - eher und einfacher an die halten kann, deren Einkünfte gläsern und griffbereit sind als an die, die das bisherige “trübe Wasser” nutzten um ihre Reichtümer anzuhäufen und sie nun - wer hätte es gedacht - nach “Norden” ziehen lassen.
Ich Naivling habe doch seinerzeit tatsächlich geglaubt, dass Globalisierung und ein geeintes Europa dazu führen dass es den Menschen besser geht. Heute kann ich feststellen dass das Merkosy-Europa unter tätiger Mithilfe von Rot-Grün es geschafft hat den Lebensstandard vieler nicht zu erhöhen sondern dramatisch zu senken. Die Wettbewerbsfähigkeit meint daher dass wir danach streben mit den chinesischen Wanderkulis und deren Hungerlöhnen in Wettbewerb zu treten und, soweit möglich noch zu unterbieten. Die Chance dass die Menschen in Bulgarien, Griechenhland und anderen EU-Ländern schnellstmöglich einen guten Lebensstandard erreichen der eher unserem Lebensstandard entspricht, diese Chance werden wir mit den Merkels, Röslers, Schäubles, Steinbrücks und Trittins weiter vertun. Diese Chance werden wir auch vertun wenn wir dem Europa-Ölgötzen folgen, den uns Altkanzler Kohl als leuchtendes Beispiel anzupreisen nicht nachläßt.
Und jetzt kommt bald Serbien in die EU. Sollen wir schon mal die Geldbörsen aufmachen? Oder geht es wieder um “Krieg und Frieden”? Oder ist es einfach “alternativlos”? Wir können gespannt sein. Oder wir können anfangen uns Gedanken über ein anderes Europa zu machen, ein Europa der Menschen.