Entgegnung zum SpOn-Artikel “Griechische Randalierer prügeln sich mit Polizisten”
Wir haben sie schon lange, die Worte die eigentlich nicht informieren, sondern verschleiern, der Entsorgungspark (m.a.W. die Atommüllkippe), den “Problembären” (das sagt nun gar nichts aus über den Bären aber viel über den ehemaligen Ministerpräsidenten von Bayern) und wie all die anderen Worte heissen die ich als “Murksdeutsch” bezeichne.
Seit dem das Geld in Griechenland knapp geworden ist, seit dem ist in Griechenland” der Bär los” und der Krieg der Begriffe tobt mit dem Ziel den Zuschauer einzulullen und zu benebeln. Gott verhüte daß der Bürger endgültig hinter die Kulissen schaut. Krieger in diesem leisen Krieg sind u.a. Journalisten die über Griechenland berichten.
Demonstrationen, Streiks, Aufruhr im Land, es fliegen Steine. Das ist die eine Seite der Medaille. Familien denen man die Lebensgrundlage entzieht und die 35 % Lohneinbußen haben, kleine Unternehmen die pleite gehen weil niemand mehr deren Waren und Dienstleistungen kauft, auf der dritten Seite schließlich Bankiers die seinerzeit dem Staat Griechenland Geld geliehen haben und heute bedauern in diesem Jahr keine 10 Milliarden Gewinn vor Steuern erzielen zu können. So sieht das Feld aus, auf dem sich der SpOn Redaktuer tummelt, der jetzt “Randalierer” in Griechenland ausgemacht hat.
Für SpOn ganz klar. Es müssen “Randalierer” auf den Demonstrationen sein, auf keinen Fall Verzweifelte denen da außer Gewalt nichts mehr einfällt wenn man ihre Lebensbedingungen drastisch verschlechtert.
SpOn als Sprachrohr der “h.M” (herrschenden Meinung, das ist die Meinung derer die herrschen wenn ich mich noch recht an meine Vorlesungen eines meiner Professoren von ehedem entsinne), also dies Sprachrohr hat nun Position bezogen was in Griechenland abgeht, m.a.W. SpOn hat Stellung bezogen im Krieg um Worte und Begriffe und vom ehemals existierenden Sturmgeschütz der Demokratie ist nicht mehr übrig geblieben als ein Haufen von zumeist schwach recherchierenden Journalisten die sich bemüht der “h.M.” ihren Obolus darzubringen. Und SpoN tut das indem versucht wird Begriffe zu besetzen und so den Diskurs zu lenken in die Bahnen die “h.M.” genehm sind.
Mit dem Besetzen von anderen Ländern hat man früher Kriege gewonnen. Spätestens seit dem “GröFaZ” ist klar, Länder besetzen bringt’s nicht. Dann kam die Idee des “Beistehens” im Konfliktfall, Südvietnam ist dafür ein hübsches Beispiel. Dumm, dass das “Beistehen” und “Befreien” nicht überall akzeptiert wurde und noch dazu die freie Presse darüber berichtete wie man “beistand” und wie sich die “Beigestandenen” unbändig über solche Art des Beistands hinterher freuten. Namen wie My Lai fallen einem da ein.
Heute gewinnt man Konflikte damit, dass man Begriffe besetzt und so die öffentliche Debatte von Anfang an lenkt.
Da gibt es dann eine “Eurorettung” oder Rettung Griechenlands” anstatt es als das zu bezeichnen was es ist, die Rettung der Banken. Klar dass dann “Randalierer” statt verzweifelter Bürger herhalten müssen um den allgemeinen Protest zu diskreditieren. Dass es sich dabei auch um Leute handeln könnte die nichts mehr zu verlieren haben, auf diese Idee kommt man nicht, zumindest nicht in den Massenmedien der “Freien Welt”. Wahrheit ist was im Zweifel das was Journalisten wenig Schwierigkeiten für die Zukunft bringt. Und welcher SpOn Redakteur will sich schon damit befrachten mal nicht die “h.M” zu kolportieren”. Das kann im Zweifel nur dazu führen, dass man Interviews nicht mehr bekommt oder auch sonst von den “Futtertrögen” der politischen Klasse die diese für Journalisten aufstellt ausgeschlossen bleibt. Also, warum Wahrheit oder gar recherchieren ob es wirklich “nur Randalierer” sind? Schreiben, behaupten, paßt. Die Leserschaft wird morgen schon eine neue “Sau durchs Dorf treiben” und sich nicht entsinnen was da über Griechen und Randalierer geschrieben wurde.
Machen wir’s kurz. Wenn man die Wahrheit (das es Demonstrationen und Streiks in Griechenland gibt) schon nicht totschweigen kann, so wie die Bewegung zur Besetzung der Wallstreet bis vor Kurzem, dann müssen es in Griechenland eben “Randalierer” sein, auf keinen Fall verzweifelte Bürger, ganz klar.
Ganz klar auch, diese “Randaliere” sind auch die, die sich gegen “Sparmaßnahmen” und “Reformkonzepte” der aus EU, EZB und IWF bestehenden Troika wenden und damit das Gemeinwohl gefährden.
Nein lieber SpOn, so einfach ist das nicht mit dem Umdeuten und Besetzen von Begriffen und des sich Anbiederns an die “h.M.”.
Die griechischen Demonstranten wenden sich gegen “Streichungen”, nicht gegen das positiv besetzte Sparen. “Sparen” (von Geld) ist nämlich das Zurücklegen von Geld für Notfälle oder mit dem Ziel Zinsgewinn zu erwirtschaften. Das wird in Griechenland aber nicht gemacht. Da werden simpel Kosten gestrichen, so einfach ist das.
Sicher hat Griechenland Probleme die es zu beheben gilt. Und Reformen sind mehr als nötig wenn man hört wieviel Papiere jemand zusammentragen muss wenn er ein Unternehmen aufmachen will. Zu den Problemen Griechenlands zählen sicher Korruption und fehlende Effizienz im öffentlichen Dienst. Aber die alte Leier der Troika des “Sparens” = Kostenstreichens, der “Privatisierung” und der begleitenden “Reformen” hat schon in anderen Ländern nur vorübergehende Heilung gebracht. Man frage in Polen, Bolivien oder Russland nach was denen die Schocktherapie gebracht hat. Am Anfang sah es gut aus und heute sind sie in vielen Fällen fast wieder da wo sie einst gestartet sind.
Die Vorgehensweise der “Weisen aus dem Abendland” ist immer die gleiche bei dieser Art der “Problemlösung”, gemeinhin unter der Sammelbezeichnung “Reform” verpackt.
Neoliberale “Heilskonzepte” mit Streichungen, Privatisieren und Verarmung weiter Schichten der Bevölkerung zugunsten einer Bereicherung einer kleinen Gruppe sind es die man da wortgewaltig unters Volk bringen will. Nur soll das eben keiner merken daß hinter diesen Heilsbotschaften nicht die Interessen aller, sondern bestimmte Partikularinteressen stehen. Deshalb auch die Eile mit der die “alternativlosen” Maßnahmen durchgepeitscht werden sollen. Man nennt das Ganze “Schocktherapie”. Die Bevölkerung soll erst gar nicht zur Ruhe kommen. Erst muss der Neoliberal-Quark durchgepeitscht und Vermögen umverteilt werden und wenn das getan ist, dann wird die Bevölkerung merken um was es ging. Und dann ist es zu spät. Nicht nur die Filetstücke des ehemaligen Staatseigentums - und damit des von allen Bürgern erwirtschafteten Eigentums - sind dann zu Schleuderpreisen in die Hände Zwielichtiger gefallen (Die Erfahrungen der Treuhand lassen da schön grüßen). Banken haben dann am “Privatisieren” auch nochmals hübsch verdient und steigende Preise bei Diensten der Daseinsfürsorge wie öffentlichem Nahverkehr, Wasser und Strom “belohnen” die so zuvor Enteigneten und nun “reformierten” auch noch auf Jahre wenn nicht Jahrzehnte.
Wäre doch gelacht wenn man Griechenland nicht auch in dieser Weise “wettbewerbsfähig” machen könnte.
Na dann liebe Griechen, zieht Euch schon mal warm an. Jetzt ist “Schluss mit lustig”.
P.S. wie das Ganze gemacht wird, hier die Kochrezepte und Hintergründe:
Klein, Naomi, “Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus”
Perkins, John, “Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia”
Sachs, Jeffrey D., “Das Ende der Armut: Ein ökonomisches Programm für eine gerechtere Welt”