ein bißchen schwanger??

schon vor einiger Zeit hatte das Sommerloch wohl tiefe Schatten geworfen oder auf den Gemütszustand deutscher Politiker gedrückt, man weiß es nicht so genau.

Und schon wieder taucht deshalb der  Vorschlag einer “Zweitwährung” wie dereinst Nessy in Loch Ness zur Sommerpause auf. Schon vor geraumer Zeit hatte ihn Generalsekretär Dobrindt von der CSU geäußert. Sein Vorschlag zeichnete sich dadurch aus, daß er die Zweitwährung zur Entlohnung griechischer Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes anpries. Eine der passenden Antworten darauf war, daß jemand vorschlug, Dobrindt möge seine Bezüge ebenfalls in Reichsmark erhalten.

Diesmal taucht die Zweitwährung in der "Zeit", einer Gazette von der man doch etwas mehr Tiefgang erwartet hätte, auf.

Für alle die es immer noch nicht verstanden haben hier nochmals kurz mein Vergleich. Man könnte ebenso gut vorschlagen daß die Briten ihren Linksverkehr auf Rechtsverkehr umstellen und die Umstellung dann wie folgt bewerkstelligen:

Montags wechseln die Pkw auf die rechte Fahrspur;

Dienstags folgen die Lkw;

Mittwochs kommen die Busse dazu usw. usf.

Es wird im Umstellungszeitraum zu kleinen unwesentlichen Kollateralschäden unter der Bevölkerung kommen, aber die müssen wir nun einmal hinnehmen, so im Dienste an der Sache.

Die verlorene Ehre der Nadja Drygalla

Rostock ist nicht nur eine Hafenstadt an der Stadt an der Ostsee. Diese Stadt war vor Jahren auch der Schauplatz wo Rechtsradikale versucht hatten ein Haus das von Asylbewerbern bewohnt war anzuzünden. Die Rechten waren dabei offen vorgegangen. Der Beifall der Umstehenden war ihnen damals sicher. Die Situation war damals so aufgeheizt daß die Feuerwehr  seinerzeit erst sehr sehr spät eintraf.

Aus dieser Stadt kommt ein Mädchen. das Mädchen ist Sportlerin und nimmt an den Olympischen Spielen in London teil bis, ja bis bekannt wird, daß das Mädchen jemanden liebt, der der rechtsradikalen Szene zugerechnet wird. Da ist Schluß mit lustig.

Einzelheiten werden von den Massenmedien, allen voran das Flagschiff des Springerverlages, “Die Welt”, ausgebuddelt, wer der Freund ist, daß er in der NPD ist (oder zumindest war) und dann ist natürlich klar, daß diejenige, die mit so einer Person befreundet ist, auch in den Ruch des Rechtsradikalen kommt. Fügen wir einfach noch die Worte “Rostock”, “Asybewerberheim”, “Brandstiftung” hinzu dann muß man schon nicht mehr genau hinschauen. Schon haben wir eine Rechtsradikale bei den Olympischen Spielen, so einfach geht das.

Die Folge, unser Mädchen reist ab aus dem Olympischen Dorf. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung, fast jedenfalls. Denn ob man es will oder nicht, es melden sich Stimmen, die hier “Sippenhaft” wittern. Nun könnte man einfach darüber hinweggehen und all diese Stimmen zu Rechtsradikalen erklären. Bedauerlicherweise ist das aber nicht ganz so einfach. Denn zu diesen Stimmen gehören auch Journalisten der Zeitung "Die Zeit" und diese Zeitung dürfte übers solchen Verdacht erhaben sein.

Auch die Sportlerin selber meldet sich schließlich, obwohl sie daß eigentlich nicht nötig hat. Bis heute hatte niemand, auch die “Die Welt”, die das Ganze angeleiert hatte, irgendeinen stichhaltigen Beleg für die angebliche Rechtsradikalität der Sportlerin erbracht. In den Artikeln der “Welt” heißt es nur Und weil er - der Freund von Nadja Grygalla und ehemalige Ruderer - zudem noch mit der Ruderin Nadja Drygalla liiert ist, haben Fischers Gesinnungen das deutsche Olympiateam erreicht.

Wie das passieren soll, durch Mund-Zu-Mund-Beatmung oder was weiß ich, das bleibt das Geheimnis des Redakteurs der “Welt”, ist ja auch egal, denn den gleichen Artikel “ziert” ein hübsches wenngleich verwaschenes Foto. Die Unterschrift unter dem Foto lautet “Unter dem Deckmantel des Kindesmissbrauchs demonstrieren Neonazis im August 2009 in Malchow. Ist Nadja Drygalla die blonde Frau mit dem weißen Pullover rechts?”

Es wird nicht gesagt dass eine der Personen auf dem Foto, ein Mädchen, Nadja Drygalla sei, es wird einfach die Frage gestellt vielleicht in der Hoffnung dass sich beim Leser etwas anderes festsetzen möge?

Vor Jahren herrschte in Deutschland eine Stimmung die als “Deutscher Herbst” in die Geschichtsbücher einging. Grundlage des “deutschen Herbstes” war die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer sowie eine Hysterie in Zusammenhang mit der sog. “Roten Armeefraktion”, deren in Stammheim einsitzende Mitglieder freigepresst werden sollten. Gut zusammengefaßt ist die Stimmung dieser Zeit in dem Film "Die verlorene Ehre der Katharina Blum". Der Film spielt allerdings bereits vor den Ereignissen des “deutschen Herbstes”.

In diesem Film wird gezeigt, wie eine junge Frau, die selbst nicht Mitglied einer Terrorzelle ist, durch einen Reporter einer “Zeitung” mehr und mehr zu einer Terroristin hochstilisiert wird. Bis die Gepeinigte schließlich den Journalisten, der sie in die Nähe des Terrors gerückt hat, erschießt. Dieses Schicksal möchte man keinem Journalisten wünschen. Allein man möchte sich auch nicht wünschen von einem Journalisten, gleich welcher Redaktion auch immer, implizit in die Radikalenecke gestellt zu werden. Man könnte annehmen daß Journalisten, wie auch andere Bürger, lernfähig sind. Bei Journalisten aus dem Hause Springer muß man da allerdings weiterhin mehr als erhebliche Zweifel haben.

Um es ganz klar zu sagen, Rechtsextreme sind kein Diskussionspartner. Mit ihnen gibt es nicht einen Zentimeter Gemeinsamkeiten und wo sie auftauchen muss man ihnen entgegentreten. Genauso klar muss aber auch sein dass “Verdachtsjournalismus” mit “Möglicherweise” u.ä. nicht genutzt werden darf um Gerüchte und Halbwahrheiten mittels Druckerpresse unter das  Volk zu streuen und dabei den Ruf eines Menschen zu beeinträchtigen, wenn nicht gar zu zerstören. In diesem Zusammenhang einmal eine historische Rückblende zu machen und auf das Thema “Berufsverbote” zu kommen, bietet sich da an. Nur dass hier jetzt kein Vertreter der bisher vom Radikalenerlass Betroffenen zur Debatte steht. Das hindert auch Massenmedien wie das “Neue Deutschland” nicht daran die "Möglicherweise"-Verdächtigungsarie mitzusingen.

Sich bei Nadja Drygalla zu entschuldigen wäre das Mindeste was man vom hause Springer erwarten könnte. Aber nach dem was seinerzeit Hans Esser bei BILD zutage förderte erwartet man da wohl zuviel. Mittlerweile scheint es wenigstens bei einem weiteren Journalisten “geklingelt” zu haben um was was hier Aufregung inszeniert wurde, um ein Mädchen das rudert und gemeinsam mit ihm kann man dann fordern "Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire"

Nachtrag:

Noch immer schlagen die Wellen hoch. Jetzt, spät aber nicht zu spät sieht sich selbst ein Minister genötigt festzustellen dass man weder vorverurteilen dürfe noch sonst Umgebungsscreening betreiben solle. Nur Petra Pau von der Fraktion Die Linke schrebt munter weiter. Unter der Aktuellen Notiz: “Gehen Medaillen über alles?" von Petra Pau, 6. August 2012 fasst sie einiges zusammen dass vollkommen richtig ist. Nur eben mit dem Fall Drygalla hat das wenig zutun. Weder hat sie - die Sportlerin - Gedenkfeiern gestört noch sonst etwas getan. Unter der laufenden Nummer 10 ihrer Notizen schreibt Petra Pau dann auch:

Meine Kontroverse heißt nicht Pau kontra Drygalla. Manche Medien hätten das gern. Ich nicht. Sie hat sich in der laufenden Debatte klar von rechtsextremen Haltungen distanziert. Das zählt. … “

Sehr richtig. Richtig mag auch sein dass sich Rechtsradikale versuchen in den verschiedensten Vereinigungen zu verankern. Aber auch das hat nichts mit unserem Fall zu tun.

Und auch der Hinweis via Twitter an mich in dem es heißt

 wie steht  zur Verhöhnung von - Opfer Turgut durch ihn in 02/ 12, spätestens an dieser Stelle war Haltung gefragt

hat letztlich nichts mit der jungen Frau zu tun. Nadja Drygalla hat (oder hatte) - und das sollte einmal klargestellt werden - einen bis dato zweifelhaften Freund. Das ist ihre persönliche Angelegenheit. Deshalb ist auch völlig belanglos wie sie zur Verhöhnung von Opfern der rechtsradikalen Szene steht solange sie nicht selbst Teil dieser Szene ist. Und deshalb ist auch ihre Haltung ist nicht gefragt. Sippenhaft für das was andere verursachen gibt es einfach nicht.

Ungeachtet der Frage des möglicherweise vorhandenen Einflusses Rechter auf Sport- oder sonstige Vereine die man durchaus diskutieren muss, sollten wir im konkreten Fall nun endlich mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen kommen und die junge Frau in Ruhe lassen.

Pussy Riot … Es ist alles gesagt … aber noch nicht von allen …

Und weil die Debatte über “Pussy Riot” mittlerweile in den Bereich “Folter” abgleitet hier mal eine ganz andere Sicht der Dinge.

Nachtrag:

Ob Putin sich hat von der öffentlichen Meinung beeindrucken lassen (halte ich für sehr unwahrscheinlich, man denke an den zweiten Tschetschenienkrieg der auch trotz weltweiter Proteste lief) oder sich einfach ein lästiges Problem vom Halse schaffen wollte, all das kann auf sich beruhen.

In einem Artikel der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti anläßlich des Besuches von Präsident Putin in London heißt es zur Causa “Pussy Riot” daß Präsident Putin eine harte Bestrafung der Mitglieder der Punkband weder für sinnvoll noch für wünschenswert halte. Weiter äußerte sich Putin in dem Artikel wie folgt “Oder wenn sie - die Mitglieder von Pussy Riot - im Kaukasus  eine muslimische Sakralstätte entweiht hätten, dann wären nicht einmal in der Lage gewesen sein, um sie inUntersuchungshaft zu nehmen.”

"Dennoch, ich denke nicht, dass sie hart dafür bestraft werden sollten", sagte der Präsident weiter. "Ich hoffe, sie ziehen gewisse Schlüsse. Dennoch ist es Sache des Gerichts die endgültige Entscheidung zu treffen ", sagte er.

Mit den Worten des früheren sowjetischen Botschafters der UdSSR Pjetr Abrassimov könnte man sagen “Ende gut, alles gut”

Nachtrag:

Nun steht das Urteil - erst einmal - fest. Zwei Jahre für eine künstlerisch mehr als fragwürdige und ansonsten am falschen Platz stattgefundenen Performance mit politischem Inhalt. Das ist vielleicht mehr als sich mancher erträumt hat. Meinen Kommentar dazu findet man hier.

Nun bliebe nur noch ein genialer Schachzug, der russische Präsident begnadigt Pussy Riot und lädt sie zur Diskussion - am besten im Fernsehen - ein. Das würde ich an Vovas Stelle machen und damit dem Ganzen den Wind aus den Segeln nehmen. Ob Vova sich dazu durchringen kann? Nach dem bisher Gesehenen befürchte ich dass das nicht stattfinden wird, schade.

Von Mietmäulern, “Guttenbergern” und Journalisten

Es gibt Massenmedien die hatten einen sehr guten Ruf. Dazu zählten DER SPIEGEL (zu Zeiten als es z.B. um Strauss und die Spiegel-Affaire ging) oder die BBC. Deren Berichterstattung trennte klar zwischen Bericht und Kommentar. Ach ja, damals war’s.

Heute scheint sich Journalismus eher darin zu gefallen dem Chefredakteur zu gefallen. Und der Chefredakteur will der Geschäftsleitung gefallen und die will dem Eigentümer gefallen und der will natürlich den Anzeigenkunden gefallen. M.a.W. von der hochgelobten Pressefreiheit bleibt in der Praxis eben doch nur “His masters voice”. Der Ausdruck daß Pressefreiheit in Deutschland bedeute daß ca. 200 Personen ihre Meinung unter das Volk bringen könnten kommt mir wieder in den Sinn.

Und etwas anderes fällt mir wieder ein. Mehr und mehr scheint es Mode zu sein von einander abzuschreiben und Vorgekautes wiederzukäuen. Mag sein daß ich einen zu hohen Anspruch an Journalismus habe, wer weiß. Mein Medienkonsum jedenfalls war früher - da ist das Wort wieder das darauf hinweist daß ich älteren Datums bin - eher auf den SPIEGEL fixiert. Seit dem der sich mehr und mehr zur “Intellektuellen”-Bild gemausert hat lese ich gleich das Original. Soll heißen ich schaue erst einmal bei Financial Times Deutschland nach und lese auch noch das Zentralorgan der Piratenpartei, das Handelsblatt.

Und da finde ich bei FTD dann folgende Überschrift:

Linke rutscht auf Rekordtief - FDP bei fünf Prozent

Au Backe denke ich und schaue genauer nach und werde fündig. Allerdings nicht wie ich dachte beim Ausscheiden der Linken aus dem Bundestag bei künftigen Wahlen und dem Gerade-Noch-Einzug der Splittergruppe um den Verkünder der “Tyrannei der Massen”, dem rundlichen Patrick Döring. Und dann lese ich genauer nach. Und was steht da? Da steht daß die Linke bei Wahlen auf sechs Prozent käme und die “gelbe Pest” es mal wieder geschafft haben könnte. Und zugleich kann man da auch noch erfahren daß UNSERE Kanzlerin ungebrochen gut beurteilt wird. Es heißt da sinngemäß daß Forsa-Chef vor allem auf die Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf zurück daß sie und ihre Partei gut beurteilt werden. “Güllner zum “Stern”: “Die Menschen haben das Gefühl, dass sie die Probleme anpackt und die deutschen Interessen gut vertritt. Das färbt auf ihre Partei ab.” “

Mal abgesehen davon daß sich mir nicht erschließt wie eine politische Arbeit gut sein soll die sich wie bei der “eisernen - wohl wenn es um die Verteilung von Geld zugunsten der Banken geht als “puddingweichen” - Kanzlerin” im Hinterherspringen hinter Beliebigkeiten erschöpft, finde ich die Aufmachung des Artikels “sehr gelungen”.

Sie erinnert mich sehr an eine Anekdote die ich seinerzeit in Russland über Presseberichterstattung gehört habe. Die Anekdote geht so:

Es soll ein Bericht über den 100-m-Lauf im Rahmen einer Sportveranstaltung geschrieben werden. Teilnehmer am Lauf ein Amerikaner und ein Russe. Der Amerikaner gewinnt haushoch vor dem russischen Sportler. Und wie sieht dazu die Überschrift in der sowjetischen Presse aus?

"Gute Leistung unseres Sportlers. Während der Amerikaner nur einen vorletzten Platz belegte konnte unser Sportler als Zweiter durchs Ziel gehen."

Reden wir über Geld

In jüngster Zeit gab es mal wieder eine Debatte über die in den Parlamenten sitzenden Piraten und deren Einkünfte. Wer da Genaueres wissen will … Google ist Dein Freund.

Manchma l hat die Debatte schon groteske Züge und man wird den Eindruck des “Futterneids” nicht los. Andererseits sehe ich auch manchmal dieses “Au ja, auch haben will.”, aber wenn möglich aufwandsfrei ;-).

Wir sollten froh sein dass wir Leute haben die sich den Job antun. Wenn die auch noch die Einkünfte mal darlegen und nen Vollstrip hinlegen .. meine Hochachtung. So, Ihr Lieben, und jetzt kehren wir mal wieder vor unser aller Türen und widmen uns der Basisarbeit. Ein jeder an seinem Platze. Und wenn möglich unterstützen wir die Vitalienbrüder und -schwestern noch die in den Parlamenten sitzen. Just my 2 Cents.

Zurück aus “Europa”, zurück aus Potsdam

Das war sie schon, die EU- und Aussenpolitikkonferenz der Piraten in Potsdam die schpn lange auf “meinem Speiseplan” stand und nun endlich wahr wurde. Schade nur dass sie durch meine eingeschränkte Beweglichkeit getrübt war. Na gut, das ist nicht für ewig.

Jedenfalls hat die Konferenz meine Motivation wieder erheblich nach vorne gebracht. Dank an alle die das möglich gemacht haben, die Orga, die Moderatoren, die Teilnehmer, ja und auch die Leute von der Kantine nicht zu vergessen. Gut fand ich auch den Vorschlag ob wir uns mal ein wenig “tiefer” mit dem Thema Russland im Rahmen der Aussenpolitik auseinandersetzen wollen.  An mir soll es nicht liegen.

Bis zum BPT im Herbst sollten wir wenigstens einen kleinen Patchworkflicken im grossen Programm zustandebringen.

Danke noch einmal.

Der Ostpirat Werner

Und hier ist die Präsentation. Viel Spass damit. Ich freue mich auf eine rege Debatte mit Euch.

Morgen geht es auf die Potsdamer Konferenz der Piraten. Mein Thema da “Deutschland und die Europäische Union  – Russlands Partner?” Hier schon mal vorab etwas zum Thema “Russland”

Morgen geht es auf die Potsdamer Konferenz der Piraten. Mein Thema da “Deutschland und die Europäische Union – Russlands Partner?” Hier schon mal vorab etwas zum Thema “Russland”

Hier kann man jetzt wirklich mit Hilfe des o.a. Links dann mein Positions- und Thesenpapier zum Verhältnis Deutschland, EU und Russland für die Zweite Potsdamer Konferenz der AG Aussen- und Sicherheitspolitik der Piratenpartei am 28. und 29. Juli 2012 herunterladen. Die Präsentation wird als PDF File ebenso erhältlich sein. Also bitte noch ein wenig Geduld. Danke

Werner

Früher hieß es “Das OKW gibt bekannt”, heute heißt es “die Ratingagentur XYZ gibt bekannt.”

Gott wurde herabgestuft

Früher, also so von 1939 bis 1945, hieß es "Das OKW gibt bekannt". Meist wurde da dann spätestens seit 1941 von “Frontbegradigungen” salbadert. Diese Frontbegradigungen waren dann so gerade dass die Front letztlich im Mai 1945 durch des Führers Bunker verlief und das Kommando “Game over” kam.

Heute heißt es “die Ratingagentur XYZ stuft den Staat ABC auf ‘CC’ herab."Und schon beginnt im Hühnerhaufen der sog "Finanzindustrie" mit ihren "neuen innovativen ‘Produkten’" (Meist Papiere mit denen Otto-Normal-Verbraucher sich eh nur Ärger einhandelt, die den Banken aber Superprovisionen bescheren) das Flattern, Krähen und Scharren.

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Rating oder bleibt wie es ist, so könnte man meinen. Das ‘Rating’, d.h. die Bewertung die diese “Agenturen” und die bei ihnen arbeitenden “Superagenten” über die Bonität nicht nur von Staaten aussprechen, gründen sich auf wirtschafts”wissenschaftliche” Annahmen. Meist fließt in diese “wissenschaftlichen Annahmen” nicht allzuviel Wissenschaft, dafür aber mehr Glaubensbekenntnisse und Hoffnungen und Erwartungen von der “Hohen Glaubenskongregation derer von der ‘Marktwirtschaft' ” jeglicher Couleur ein. Die unterschiedlichen Fraktionen der Kongregation sind nicht an ihren Soutanen aber an ihrer jeweiligen Ausrichtung zu erkennen. Als da wären  'Mehr Staat', 'Weniger Staat’, ‘Am besten kein Staat' oder nur wenn das Geld der Sparer in “systemrelevanten Banken” völlig versemmelt ist. 

Aber kommen wir zum ‘Rating’ zurück. Gestern also verpaßt “Moody’s” Deutschland einen negativen Ausblick und besagte hochindustrialisierte Finanzbranche bekommt das Flattern. Was heißt nun dieser “negative Ausblick”? 

<Exkurs in den AberglaubenStart> Oder war es der ‘Böse Blick’ der Menschen das Schlechte an den Hals bringen soll - </Exkurs in den AberglaubenEnde> ??

Er besagt, dass sich die Finanzwelt ein klein wenig mehr darum sorgt ob sie das von ihr an Deutschland verliehene Geld auch einmal wieder zu sehen bekommen. Woher diese Sorge? Nun es mehren sich mehr und mehr Gerüchte dass trotz aller Bemühungen aller möglichen Institutionen Griechenland eben doch nicht zu halten ist (“Griecheland kapuutt”). Was heißt das? Es könnte heißen dass das Geld das wir laut Regierung ja noch gar nicht gezahlt haben, rund 80 Milliarden, also Peanuts, eben doch verloren wären. Und das wären, gelinde gesagt, ein bis zwei Probleme für Banken und Regierung. Gar nicht erst dran zu denken was das u.a. für Folgen für die kommende Bundestagswahl in Deutschland haben könnte. Wenn letztlich auch der Einfältigste schließlich merkt dass die Mehrheit der Bundestagsblockparteien CDUCSUFDPSPDGrüne Steuergelder bei ‘alternativlosen’ Bankenrettungen u.ä. versemmelt haben.

Aber wenden wir uns wieder den ” heiligen drei Königen” Moody’s, Fitch und Standard and Poors zu. Die gehen jetzt also Deutschland an, etwas was kenntnisreiche Volksvertreter seinerzeit vorhergesagt haben, die Mehrheit im zur ‘Volkskammer’ degenerierten Bundestag aber nicht wahrhaben wollte. Entzaubern wir also die mit den “ewigen Wahrheiten versehenen Hohepriester der Finanzwelt” ein wenig und schauen sie uns genauer an. Mit der Frage “Watt isse ne Dampfmaschin?” kommen wir hier nicht weiter. Was sind also Ratingagenturen und deren ‘Agenten’? Festzuhalten ist:

  1. Die Ratingagenturen sind nichts Übernatürliches. Ratingagenturen (englisch Credit rating agency, CRA) sind private, gewinnorientierte Unternehmen, die gewerbsmäßig die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen aller Branchen sowie von Staaten und deren untergeordneten Gebietskörperschaften bewerten.
    Die Agenturen fassen das Ergebnis ihrer Untersuchung (Rating) in einer Buchstabenkombination (Ratingcode, kurz auch nur Rating) zusammen, die in der Regel von AAA bzw. Aaa (beste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reicht. Finanziell werden die drei großen Ratingagenturen von amerikanischen Banken gesponsort. Honi soit qui mal y pense.
     
  2. Die amerikanische “Finanzindustrie” - Hat schon mal jemand einen Banker im “Blaumann” gesehen? - ist kein besonderer Freund des ‘Euro’, besonders dann nicht wenn der Euro im Vergleich zum Green(span)paper stark ist.
     
  3. Bei Anlegen der ‘Euro-Ratingkriterien’  in Hinblick auf den Dollar - man vergleiche die Verschuldungsquote Spaniens und der USA - hätten die Vereinigten Staaten doch wohl nur Ramschniveau. Das geht aber mal gar nicht weil das dann der Final Countdown für alle Volkswirtschaften wäre, die sich mit dem FED-Bitte-Druck-Mich-Wann-Immer-Du-Willst-Green-Bucks bis zum Halse eingedeckt haben (China u.a.).

Können wir also beruhigt zur Tagesordnung übergehen und Fitch und wie sie alle heißen zum Teufel wünschen (oder gar schicken?) Ganz so einfach ist es nicht, aber wir sollten auch nicht bei jedem kleinen “Pups der Wallstreet” in Ehrfurcht erstarren. Dass es Deutschland - und besonders deren Normal-Steuerzahler - an das Portemonnaie gehen wird,  konnte sich jeder an den fünf Fingern abzählen, der das kleine EinmalEins noch in der Schule gelernt hat. Dass man diese “kleine Finanzierungslücke” dann - auf Kosten von Otto Normalverbraucher - mittels Einnahmen aus unmittelbaren Steuern (u.a. die MWSt bietet sich da an // Spanien läßt schön grüßen) schließen wird, ist auch klar. Verkauft werden wird es als ‘Alternativlos’ weil der Rettung ‘Systemrelevanter’ Institutionen geschuldet.

Abschließend schauen wir uns das “unbegreifliche Hexenwerk der Druiden vom Orden der Allwissenden” an und nutzen dazu das seinerzeit sehr populäre Rating der Bank Lehman Brothers, die Bank die mit Glanz und Gloria ebenso unterging wie seinerzeit das als unsinkbar deklarierte Passagierschiff 'Titanic'.

Hier das Ergebnis das Moodys seinerzeit lieferte und hier die Bewertung der Bewertung durch die “Druidengilde” von S and P. Wenn man die Bewertung der Kreditwürdigkeit nur wenige Tage vor dem Exitus von LB mit dem sang- und klanglosen Ende der “systemrelevanten Bank” vergleicht, dann beschleicht einen das Gefühl dass da entweder überbezahlte Dilettanten am Werk waren oder auch sonst die Genauigkeit der ‘Ratings’ sehr zu wünschen übrig läßt. Meine Wertschätzung für den “Finanzsektor” hält sich bekanntlich in überschaubaren Grenzen.  Daher ist meine Wertschätzung der Glaskugel-Gucker vom Ratingagenturorden von gleicher wenn nicht noch weniger großer Höhe geprägt. Schön beschreibt der Satiriker Volker Pispers Teile des sich selbst als “Industrie” darstellenden Finanzsektors.

In diesem Sinne, nur keine Panik, es sei denn Sie hätten große Teile Ihres Vermögens in Staatsanleihen angelegt. Aber das haben Sie ja nicht, oder?

Nachtrag:

Kaum geschrieben und gepostet da hat die Wirklichkeit schon die kühnsten sarkastischen Gedanken überholt. Nun hat sich Moodys die EFSF und nicht nur den, sondern auch z.B. Bayern vorgenommen.  Warum auch nicht? Wenn die Giralgeldschöpfung bisher so prima funktionierte, warum nicht weitermachen? Zumal einem die Vertreter der Politik keine ernsthafte Gegenwehr entgegensetzen und der Michel ja eh alles bezahlen wird. Das erinnert mich an unseren Bundesfinanzminister Schäuble und dessen schon 2011 nicht funktionierende Rezepte. Und zu allem Überfluß kommen jetzt auch die “Systemrelevanten” bald an die Reihe. Die Postbank, Teil des Imperiums der Deutschen Bank, ist schon mal dabei. Tja, wie bewerben die ihre Dinge? “Unterm Strich zähl ich”. Warum erinnert mich das auch eigentlich alles an Hase und Igel? Ich weiß auch nicht.