Rostock ist nicht nur eine Hafenstadt an der Stadt an der Ostsee. Diese Stadt war vor Jahren auch der Schauplatz wo Rechtsradikale versucht hatten ein Haus das von Asylbewerbern bewohnt war anzuzünden. Die Rechten waren dabei offen vorgegangen. Der Beifall der Umstehenden war ihnen damals sicher. Die Situation war damals so aufgeheizt daß die Feuerwehr seinerzeit erst sehr sehr spät eintraf.
Aus dieser Stadt kommt ein Mädchen. das Mädchen ist Sportlerin und nimmt an den Olympischen Spielen in London teil bis, ja bis bekannt wird, daß das Mädchen jemanden liebt, der der rechtsradikalen Szene zugerechnet wird. Da ist Schluß mit lustig.
Einzelheiten werden von den Massenmedien, allen voran das Flagschiff des Springerverlages, “Die Welt”, ausgebuddelt, wer der Freund ist, daß er in der NPD ist (oder zumindest war) und dann ist natürlich klar, daß diejenige, die mit so einer Person befreundet ist, auch in den Ruch des Rechtsradikalen kommt. Fügen wir einfach noch die Worte “Rostock”, “Asybewerberheim”, “Brandstiftung” hinzu dann muß man schon nicht mehr genau hinschauen. Schon haben wir eine Rechtsradikale bei den Olympischen Spielen, so einfach geht das.
Die Folge, unser Mädchen reist ab aus dem Olympischen Dorf. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung, fast jedenfalls. Denn ob man es will oder nicht, es melden sich Stimmen, die hier “Sippenhaft” wittern. Nun könnte man einfach darüber hinweggehen und all diese Stimmen zu Rechtsradikalen erklären. Bedauerlicherweise ist das aber nicht ganz so einfach. Denn zu diesen Stimmen gehören auch Journalisten der Zeitung “Die Zeit” und diese Zeitung dürfte übers solchen Verdacht erhaben sein.
Auch die Sportlerin selber meldet sich schließlich, obwohl sie daß eigentlich nicht nötig hat. Bis heute hatte niemand, auch die “Die Welt”, die das Ganze angeleiert hatte, irgendeinen stichhaltigen Beleg für die angebliche Rechtsradikalität der Sportlerin erbracht. In den Artikeln der “Welt” heißt es nur “Und weil er - der Freund von Nadja Grygalla und ehemalige Ruderer - zudem noch mit der Ruderin Nadja Drygalla liiert ist, haben Fischers Gesinnungen das deutsche Olympiateam erreicht.”
Wie das passieren soll, durch Mund-Zu-Mund-Beatmung oder was weiß ich, das bleibt das Geheimnis des Redakteurs der “Welt”, ist ja auch egal, denn den gleichen Artikel “ziert” ein hübsches wenngleich verwaschenes Foto. Die Unterschrift unter dem Foto lautet “Unter dem Deckmantel des Kindesmissbrauchs demonstrieren Neonazis im August 2009 in Malchow. Ist Nadja Drygalla die blonde Frau mit dem weißen Pullover rechts?”
Es wird nicht gesagt dass eine der Personen auf dem Foto, ein Mädchen, Nadja Drygalla sei, es wird einfach die Frage gestellt vielleicht in der Hoffnung dass sich beim Leser etwas anderes festsetzen möge?
Vor Jahren herrschte in Deutschland eine Stimmung die als “Deutscher Herbst” in die Geschichtsbücher einging. Grundlage des “deutschen Herbstes” war die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer sowie eine Hysterie in Zusammenhang mit der sog. “Roten Armeefraktion”, deren in Stammheim einsitzende Mitglieder freigepresst werden sollten. Gut zusammengefaßt ist die Stimmung dieser Zeit in dem Film “Die verlorene Ehre der Katharina Blum”. Der Film spielt allerdings bereits vor den Ereignissen des “deutschen Herbstes”.
In diesem Film wird gezeigt, wie eine junge Frau, die selbst nicht Mitglied einer Terrorzelle ist, durch einen Reporter einer “Zeitung” mehr und mehr zu einer Terroristin hochstilisiert wird. Bis die Gepeinigte schließlich den Journalisten, der sie in die Nähe des Terrors gerückt hat, erschießt. Dieses Schicksal möchte man keinem Journalisten wünschen. Allein man möchte sich auch nicht wünschen von einem Journalisten, gleich welcher Redaktion auch immer, implizit in die Radikalenecke gestellt zu werden. Man könnte annehmen daß Journalisten, wie auch andere Bürger, lernfähig sind. Bei Journalisten aus dem Hause Springer muß man da allerdings weiterhin mehr als erhebliche Zweifel haben.
Um es ganz klar zu sagen, Rechtsextreme sind kein Diskussionspartner. Mit ihnen gibt es nicht einen Zentimeter Gemeinsamkeiten und wo sie auftauchen muss man ihnen entgegentreten. Genauso klar muss aber auch sein dass “Verdachtsjournalismus” mit “Möglicherweise” u.ä. nicht genutzt werden darf um Gerüchte und Halbwahrheiten mittels Druckerpresse unter das Volk zu streuen und dabei den Ruf eines Menschen zu beeinträchtigen, wenn nicht gar zu zerstören. In diesem Zusammenhang einmal eine historische Rückblende zu machen und auf das Thema “Berufsverbote” zu kommen, bietet sich da an. Nur dass hier jetzt kein Vertreter der bisher vom Radikalenerlass Betroffenen zur Debatte steht. Das hindert auch Massenmedien wie das “Neue Deutschland” nicht daran die “Möglicherweise”-Verdächtigungsarie mitzusingen.
Sich bei Nadja Drygalla zu entschuldigen wäre das Mindeste was man vom hause Springer erwarten könnte. Aber nach dem was seinerzeit Hans Esser bei BILD zutage förderte erwartet man da wohl zuviel. Mittlerweile scheint es wenigstens bei einem weiteren Journalisten “geklingelt” zu haben um was was hier Aufregung inszeniert wurde, um ein Mädchen das rudert und gemeinsam mit ihm kann man dann fordern “Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire”
Nachtrag:
Noch immer schlagen die Wellen hoch. Jetzt, spät aber nicht zu spät sieht sich selbst ein Minister genötigt festzustellen dass man weder vorverurteilen dürfe noch sonst Umgebungsscreening betreiben solle. Nur Petra Pau von der Fraktion Die Linke schrebt munter weiter. Unter der Aktuellen Notiz: “Gehen Medaillen über alles?” von Petra Pau, 6. August 2012 fasst sie einiges zusammen dass vollkommen richtig ist. Nur eben mit dem Fall Drygalla hat das wenig zutun. Weder hat sie - die Sportlerin - Gedenkfeiern gestört noch sonst etwas getan. Unter der laufenden Nummer 10 ihrer Notizen schreibt Petra Pau dann auch:
“Meine Kontroverse heißt nicht Pau kontra Drygalla. Manche Medien hätten das gern. Ich nicht. Sie hat sich in der laufenden Debatte klar von rechtsextremen Haltungen distanziert. Das zählt. … “
Sehr richtig. Richtig mag auch sein dass sich Rechtsradikale versuchen in den verschiedensten Vereinigungen zu verankern. Aber auch das hat nichts mit unserem Fall zu tun.
Und auch der Hinweis via Twitter an mich in dem es heißt
“ @PetraPauMaHe
hat letztlich nichts mit der jungen Frau zu tun. Nadja Drygalla hat (oder hatte) - und das sollte einmal klargestellt werden - einen bis dato zweifelhaften Freund. Das ist ihre persönliche Angelegenheit. Deshalb ist auch völlig belanglos wie sie zur Verhöhnung von Opfern der rechtsradikalen Szene steht solange sie nicht selbst Teil dieser Szene ist. Und deshalb ist auch ihre Haltung ist nicht gefragt. Sippenhaft für das was andere verursachen gibt es einfach nicht.
Ungeachtet der Frage des möglicherweise vorhandenen Einflusses Rechter auf Sport- oder sonstige Vereine die man durchaus diskutieren muss, sollten wir im konkreten Fall nun endlich mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen kommen und die junge Frau in Ruhe lassen.