Eure EDV gegen unsere EDV oder …

“Der Schwarm wird siegen.”

Wer ärgert sich nicht über die ständig pendelnden Spritpreise? Fast im Minutentakt werden die Preise geändert. Ob da eine Begrenzung der Änderungsmöglichkeiten hilft (nur einmal am Tag)? Ich habe da meine Zweifel.

Auch ein Boykott bestimmter Marken (Aral und Shell starten nach eigenen Angaben jedesmal die Preiserhöhungsrunde) scheint wenig sinnvoll zumal eine solche Aktion nur sinnvoll ist wenn möglichst viele Leute mitmachen. Was bleibt? Weniger fahren? Ok, das ist ja schon mal ein Ansatz. Die geballte Faust in der Tasche?

Viele von uns haben eines der neuen Mobiltelefone die weit mehr können als nur Telefonieren. Man kann Emails senden, mal schnell das Telefon als Navi nutzen und und und …

Und solch ein Telefon kann man auch im Kampf um den Benzinpreis nutzen. Bekanntlich kann man auf diese neuen Telefone auch Programme draufladen (neudeutsch “Apps” - vom enlischen Word Application = Programm). Vieles wird da angeboten und bei Vielem fragt man sich auch nach dem Sinn … oder Unsinn. Aber einige Apps sind doch recht sinnvoll. Und das Gute daran, viele Apps sind kostenlos oder kosten nicht einmal einen Euro.

Die App um die es sich hier handelt, ist die App “Mehr-Tanken” (s. Bild). Aufgabe der App die man über die WEB Site http://mehr-tanken.de herunterladen kann, ist es, die aktuellen Preise der nächstgelegenen Tankstellen zu finden und anzuzeigen BEVOR man sich selbst auf den Weg macht.



Das System lebt davon, dass so viel wie möglich Preisdaten gesammelt und in das System eingegeben werden, m.a.W. jeder sollte und kann sein Scherflein zum Erfolg des Systems beitragen.

Mir hat das System schon so einige Euro wieder eingebracht. Also, vielleicht mal ausprobieren?

Ach ja, und wer kein Smartphone (also so ein neues Dings) hat, der kann die Spritpreise auch direkt über die WEB Site ansehen und melden.

Wäre doch gelacht wenn wir nicht wenigstens ein paar Cent behalten könnten.

P.S. Wer noch kein neues DingsBums hat, bei Lidl gibt es so etwas im Moment für rund 90 Euro. Und das Schöne daran, dieses Telefon kann mit jeder Mobilfunkkarte betrieben werden.

Schönen Tag zusammen.

Lenin lehrt uns ja zum Glück “zwei Schritte vor, einer zurück”

Der Erfolg der Piratenpartei und die momentane Medienpräsenz führen zu einem beispiellosen Mitgliederzulauf. Darüber freue ich mich als Pirat natürlich, insbesondere dann wenn neue engagierte fachlich kompetente Mitglieder hinzukommen, die auch bisher vernachlässigte Themen in der Partei beackern.

Aber der Zustrom hat leider auch eine weniger schöne - wenngleich Gott sei Dank auch kleinere - Kehrseite. Die beleuchtet “Plätzchen” in seinem Artikel in seinem Blog. Den Artikel kann ich nur wärmstens weiterempfehlen.

P.S. bei Lenin heißt es übrigens “Ein Schritt vorwärts, zwei zurück”

Zug der Anachronisten

Franz-Joseph Degenhardt hatte seinerzeit einen schönen Song, das Lied vom “Zug der Anachronisten”. Dabei ging es um diejenigen die unter dem Signum von “Freiheit und Demokratie” alle möglichen und unmöglichen Argumente für “Freiheit und Demokratie” ins Feld führen, in Wahrheit aber nur die “Freiheit und Demokratie” bestimmter Leute meinen. An diese Art des Anachronismus fühle ich mich erinnert wenn ich die Debatte um das Handelsblatt und sein Konvulut “Mein Kopf gehört mir” denke.

Erfrischend wirkt da der Kommentar von Florian Steglich unter der Überschrift “Breaking: Pater Anselm Grün hat auch eine Meinung zur Piratenpartei (eineinhalb Gedanken und ein paar Fragen zur Handelsblatt-Titelgeschichte)

Es geht bei dem Handelsblatt Artikel auch - aber nicht nur - um die Frage des Urheberrechts bei der vom Handelsblatt angestoßenen Debatte. Es geht AUCH um die Piratenpartei als solche. Man hat nämlich in bestimmten Kreisen erkannt, daß man der PP nicht mit den üblichen Mitteln der Politik (und da nenne ich mal nicht den offenen Diskurs, denn den fürchtet man) wie Verunglimpfung (Protestwähler ohne Programm), in die “Radikalenecke stellen” (CSU Innenminister Bayerns) usw. usf. weiterkommt. Die PP soll “journalistisch” erledigt werden.

Die Wähler lassen sich von der PP nicht mehr mit dem Hinweis auf “taktisches Wählen” (Wer XYZ wählt, der wählt in Wirklichkeit ABC - ein u.a. von der SPD und den Grünen gern genutzter Ansatz) ködern. Also muss was anderes her. Und da ist der Hinweis auf “Umsonst-Kultur”, den “Raub geistigen Eigentums” usw. usf. ein prima Ansatz gefunden … meint man.

Aber Viele haben doch gemerkt, dass des “Kaisers neue Kleider”, also die Urheberrechtskultur bisheriger Prägung nicht mehr verfangen. Daher bemüht man eben Prominenz. Die soll es richten, tut es aber nicht.

Aber zum Thema. In der Tat hat die Content-Industrie jahrelang geschlafen als es um die Nutzung neuer Medien auch in ihrem Geschäftbereich ging. Erst APPLE zeigte (und zeigt heute noch) wie man das Internet zum Verkauf von Musik und auch Apps nutzt. Andere folgten, so Amazon. Nichts war “für umsonst” und dennoch sprang eine große Gruppe von Kunden begeistert auf.

Nun haben die Piraten ganz andere Fragen im Zusammenhang mit dem Urheberrecht gestellt ohne die Frage nach dem “Alles für lau” haben zu wollen zu stellen. Hat die bisherige Content-Industrie nicht sehr hilflos agiert?

So hat sich die GEMA mit ihrer Intervention in Youtube unendlich viele “Freunde” gemacht. So waren sich bestimmte Verwerter auch nicht zu schade Geld dafür kassieren zu wollen, dass man Kinderliedernoten in Kindergärten nutzt. Wer da erkennbar eine “Nix-leisten-aber-viel-haben-wollen” Mentalität (Die berühmte umsonst-Mentalität die man den Piraten vorwarf) offenbart, will ich mal offen lassen.

Nur soviel sei aus Sicht eines ganz normalen Nutzers mal ganz am Rande angemerkt. Wer auf der einen Seite die Freiheit propagiert und sich für die Meinungsfreiheit in Damaskus in die Bresche wirft, der sei doch bitte auch so gut und sorge dafür, dass mein CD Video Player nicht “verkrüppelt” auf den Markt kommt. Aus guten - finanziellen - Gründen ist er werksseitig nicht in der Lage ist ausländische Videos die offiziell und mit Lizenz erworben wurden, abzuspielen. Meine Freiheit offiziell gekaufte Videos nutzen zu können und mich ungehindert aus allen Quellen zu informieren scheint demgegenüber zweitrangig.

Neue Technologien (eBook) scheinen immer erst einmal auf den Markt gebracht zu werden indem man dem Kunden unterstellt, er sei ein Raubkopierer oder sonstiger finsterer Zeitgenosse. Nur so läßt es sich erklären, daß viele eBooks mit Kopierschutz (DRM) auf dem Markt kommen. Gott sei Dank huldigen nicht alle Anbieter dieser Ansicht und so kann man eBooks die man bei Amazon nur mit DRM bekommt, bei anderen Anbietern auch ohne diesen Firlefanz kaufen. Daß die Content-Industrie sich auf diese Weise selbst ins Knie schießt, sei nur am Rande bemerkt (s. u.a. auch der Beitrag des CCC “Antwort auf den offenen Brief der Tatort-Drehbuchschreiber”.

Auf die Dauer sollte sich die Industrie darauf einstellen dem Kunden als Kunden und nicht als potentiellem Rechtsbrecher gegenüber zu treten.

Aber vielleicht müssen wir die Fragen in Zukunft noch ganz anders und viel radikaler stellen um Bewegung in die Sache zu bekommen? Vielleicht müssen wir die Frage nach der Existenzberechtigung der GEMA und gleichgelagerter Organisationen ebenso stellen wie die Frage nach der Existenzberechtigung der GEZ? Gewinner können dabei die Künstler UND die Kunden sein.

P.S. die Aussage der Piratenpartei zum Thema findet sich hier und eine m.E. nach gute Zusammenfassung zum Thema Urheberrecht hat Jonny Häusler in seinem Spreeblick geschrieben. Hier könnt Ihr sie finden.

Und weil der Artikel so schön ist, habe ich ihn dort auch gleich kommentiert. Aber es gibt dort eine Vielzahl von Kommentaren, die den Artikel noch lesenswerter machen. Hier jedenfalls mein “Senf” dazu:

Lieber Jonny,

danke für den Artikel, eine wirklich abgestufte und damit lesbare Zusammenfassung zum Thema, die auch eines meiner Lieblingsthemen enthält, die Codierung von Videoabspielgeräten so dass ich z.B. legal im Ausland erworbene DVDs NICHT abspielen kann.

Dem Artikel ist wenig hinzuzufügen. Nur eines würde ich gern noch loswerden. Ich denke dass viele Leute sich legal mit Musik oder eBooks gegen Bezahlung eindecken würden. Und ich tue das z.B. auch über iTunes oder Amazon was Musik anbelangt. Ich kann da einen dezidierten Song raussuchen und ihn und genau nur ihn für kleines Geld kaufen, prima.

Was eBooks anbelangt – für die ich mich zunehmend interessiere (ich habe einfach keine Lust 13 Kg Papier mit in den Urlaub zu nehmen) – da muss ich sagen dass die Mehrheit der Verleger wohl nicht so recht mit dem Ohr am Puls der Zeit sind. warum kosten eBooks i.d.R. nur unwesentlich weniger als Papierausgaben? Warum meinen einige diese eBooks nur MIT DMR (also Kopierschutz) verkaufen zu müssen? Ich kaufe i.d.R. gebrauchte Bücher – falls ich nicht gerade solch einen “Heisshunger” darauf habe dass ich nicht warten möchten (Spontankauf). Die Buchstaben sind i.d.R. durch ein- oder mehrmaliges Lesen NICHT wesentlich beschädigt und so spare ich manche Mark (Sorry, Ihr merkt ich bin älteren Datums). Warum also zur Hölle kann ich ein eBook nicht weiterverkaufen? Ich weiß, ich habe ja nur eine Lizenz zur Nutzung beim Erwerb eines eBooks. Also, dann kaufe ich eben weiter Papierbücher und Euer Geschäftsmodell des eBook dümpelt weiter vor sich hin (u.a. auch weil Ihr nicht in der Lage zu sein scheint ein einheitliches Format für eBooks zu verabreden. Ich will KEINE zwei oder mehr eBook Reader und vorher konvertieren will ich die Dinger auch nicht, kapiert?)

M.a.W. warum liebe Anbieter schafft Ihr tausend künstliche Barrieren die mich davon abhalten Eure Produkte zu erwerben? Warum stellt Ihr die Kunden unter den vorbeugenden Generalverdacht des Rechtsbrechers? Wie hoch schätzt Ihr den Geschäftserfolg eines Ladens den man nur betreten darf wenn man zuvor einen Auszug aus dem Strafregister vorgelegt hat? Na? Genau. Also, kommt runter und seht den Kunden als das an was er ist – Euer unentbehrlicher Partner im Business.

P.S. habe mir erlaubt einen Link auf diesen Artikel in meinem Blog zu hinterlegen, http://ostpirat.tumblr.com/post/20775708151/zug-der-anachronisten

60 Jahre und kein bißchen weise … so jedenfalls faßt man die Piraten auch nicht

Die Piraten kommen, macht Euch auf etwas gefaßt”, das ist der einhellige Slogan der zur Zeit bereits europaweit grassiert. Und, die Piraten bringen die bisherigen Politiker zur Verzweiflung. Was liegt also näher als daß Michael Spreng, Politikberater und politisches Urgestein sich des Phänomens der Piraten in seinem Artikel “Die Gummiwand-Partei” annimmt.

Zu recht stellt er fest, daß das Phänomen der Piratenpartei etablierte Politiker wie Kurt Beck und Jürgen Trittin ausrasten läßt. Richtig ist auch, daß die Piraten mit den klassischen Methoden politischer Auseinandersetzung (welche meint der Verfasser da wohl?) kaum zu packen sind und daß diese Partei zum Leidwesen der sog. “etablierten Parteien” umso populärer wird je mehr man auf sie eindrischt.

Die Frage warum das so ist mit der Popularität der Piraten, stellt sich der Verfasser aber kaum. Nur ansatzweise kommt er zu derErkenntnis, daß die etablierten Parteien seit Jahren den Boden für eine Partei der sympathischen Ahnungslosigkeit selbst bereitet haben. Diese Erkenntnis ist zwar schön, greift aber zu kurz um das zu begreifen was hinter “den Piraten” steht. Und was steht nun hinter der Idee der Piraten?

Jedenfalls nicht Kulturfeindlichkeit, politische Ahnungslosigkeit, mangelnde Transparenz oder gar Arroganz wie der Verfasser meint.

Fangen wir mit der Arroganz an. Man mag Christopher Lauer als “arrogant” bezeichnen ob seines Verhaltens in der Sendung von Frau Illner. Man wird aber wohl einmal fragen dürfen wer auf der politischen Szene Arroganz vorgelebt hat. Und da würde mir u.a. eben jener Kurt Beck einfallen, der es sich vor Jahren nicht nehmen ließ, einen Arbeitslosen vor laufenden Kameras anzugehen und ihm in nicht gerade höflichen Ton riet, er - der Arbeitslose - möge sich erst einmal rasieren. Zum Thema Arroganz würde mir auch einfallen wie seinerzeit der Platz für das Atomlager Gorleben vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht per “Basta-Order” gegen den Willen der Bevölkerung festgelegt wurde.

Von wenig Arroganz zeugt es auch nicht gerade wenn zur Vorbereitung einer Bundestagssitzung zum Thema ESM alle Fraktionen geladen werden … außer die Fraktion der Linken. Und zeugt es nicht auch von der Arroganz der Macht wenn eine - zugegebenermaßen nicht sonderlich aussichtsreiche - Kandidatin für den Posten des Bundespräsidenten nicht die Chance erhält ihre politischen Ansichten vor allen Fraktionen des Bundestages darzustellen?

Angesichts solcher dargestellter Arroganz der Macht nimmt sich das Verhalten von Herrn Lauer noch relativ harmlos aus.

Den Piraten mangelnde Transparenz vorzuwerfen entbehrt nicht nur jeglicher Grundlage sondern mutet nahezu als absurd jedenfalls dann an, wenn dieser Vorwurf von jemandem gemacht wird, der noch vor einigen Jahren genau solch eine Partei beriet,  deren Verhältnis zur Transparenz als - gelinde gesagt - verbesserungswürdig bezeichnet werden kann. Als Stichworte mögen hier die “Amigoaffaire” als auch “Hypo Alpe Adria” genannt werden. Auch die Transparenz in der sog. Parteispendenaffaire dürfte kaum geeignet sein ein makeloses Eigenbild der CDU zu erstellen. Mag sein daß viele Bürger das schon vergessen haben, andere - und dazu zähle ich auch mich - vergessen das nicht so schnell.

Kommen wir zur politischen Ahnungslosigkeit. Ja, es stimmt, der Satz “Dazu haben wir noch keine Position” kann entnervend sein und man ist ab und zu genötigt zu rufen, “na dann wird es aber höchste zeit daß Ihr Euch eine Position dazu zulegt”. Und glauben Sie mir, solch ein Ruf kommt dann nicht nur vom politischen Gegner sondern auch von Mitgliedern der Piratenpartei, zu denen ich auch zähle.

Aber mal ehrlich, was ist an dem Satz so Verwerfliches? Ist er nicht besser als der Satz daß z.B. der EU Rettungsschirm für Griechenland AUF KEINEN FALL ausgeweitet wird, ein Satz, der kaum hat ihn die Kanzlerin von sich gegeben, schon wieder überholt ist. Warum ist er überholt? Weil alles andere Handeln im Zweifel nicht möglich, weil “alternativlos” ist.

Kommen wir jetzt schließlich zur Kulturfeindlichkeit. Was darunter zu verstehen ist, bleibt das ewige Geheimnis des Verfassers. Wenn er damit den Vorschlag der Berliner Fraktion der Piraten im Abgeordnetenhaus meint eine von drei Berliner Opernhäuser einzustampfen, dann mag man zwar über diesen Vorschlag trefflich streiten können, kulturfeindlich würde ich ihn aber nicht nennen können.

Ist es denn kulturfreundlich wenn im Rahmen der Streichung von Haushaltsmitteln zwar Opernhäuser nicht berührt werden, Gelder für Stadtteilkulturinitiativen aber nicht bewilligt werden? Sollte der Verfasser unter Kulturfeindlichkeit hingegen das Verhältnis der Piraten zum Urheberrecht meinen, so ist dazu in den Kommentaren bereits hinreichend genug gesagt worden. Die Piraten jedenfalls auf die “Alles für lau”-Kopieren-dürfen-Gruppe zu reduzieren ist nicht nur falsch, sondern zeugt im Zweifel auch davon daß der Verfasser sich nicht mit dem Programm der Piraten befaßt hat.

Interessant erscheint mir der Hinweis des Verfassers, daß der Erfolg der Piraten letztlich  der CDU / CSU in die Hände spiele. Dieser Hinweis zeugt vom klassischen Politikverständnis zu dem auch das taktische Wählen gehört. Ich wähle bewußt die Partei X um das größere Übel der Partei Y zu verhindern. Ein leuchtendes Beispiel für solch eine Partizipation bot neulich Sigmar Gabriel als er anläßlich der Saarlandwahl verkündete daß die Linke daran schuld sei daß nunmehr die CDU und nicht die SPD den Ministerpräsidenten stellt. Das so geäußerte Politikverständnis verkennt völlig, daß es auch ein anderes politisches Verständnis geben kann. Ein solches Verständnis geht nicht davon aus “das kleinere Übel” zu wählen - um schließlich doch das größere Übel im Wege der großen Koalition z.B. zu bekommen - sondern gleich eine gänzlich andere Alternative zu wählen und das jahrelange taktische Wahlverhalten endlich auf den Kehricht zu schicken.

Ich für meinen Teil, habe jahrelang “kleinere Übel” gewählt und größere bekommen. Ich habe mich in etablierten Parteien als einfacher Parteisoldat “verheizen” lassen nur um zu sehen wie unsere eloquenten Kandidaten dann schnellstens nach der Wahl ihre eben noch geäußerten volksnahen Gedanken ad acta gelegt haben. Ich habe mich lange aus dem politischen Geschehen herausgehalten. Aber seit etwas mehr als zwei Jahren bin ich mit meinen fast 60 Lenzen bei den Piraten. Sicher wird der Weg der Piraten dornig, aber dorniger als in der SPD oder bei den Grünen, die uns im Laufe ihrer Regierung verraten haben, dorniger kann es bei den Piraten auch nicht werden. Wie hieß es doch so schön unlängst in der “HeuteShow”? Eine Partei die Kurt Beck zur Fassungslosigkeit bringen kann, hat allein dadurch ihre Existenzberechtigung unter Beweis gestellt. Dem habe ich für meinen Teil nichts hinzuzufügen.

„Navigare necesse est, vivere non est necesse.“

Der nachfolgende Kommentar ist die persönliche Ansicht eines “Silverpirates” und keinesfalls ein offizielles Statement der Piratenpartei.

“Seefahrt tut not, Leben tut nicht not.” Über diesen lateinischen Spruch kann man trefflich streiten. Und den zweiten Teil halte ich für überaus problematisch. Desungeachtet könnte man ihn in der politischen Arena ab und zu modifizieren und als “Diskutieren tut not” in die Debatte werfen. Die Debatte wird sehr oft als lauter und publikumsorientierter Schlagabtausch zelebriert. Vom Respekt den man unter demokratischen Parteien erwarten könnte, bleibt da oft nicht viel und ich bekenne, auch mich gelüstet es ab und zu ein “saftiges” FDP Bashing zu betrieben. Zu sehr kommt mir ab und zu die Galle hoch wenn ich das sehe was da - nicht nur von der FDP - im Bundestag vorgeblich im Namen des Volkes veranstaltet wird. Daher finde ich es um so besser wenn bei allen inhaltlichen Differenzen die Tür zum inhaltlichen Dialog geöffnet wird. Als solch eine Türöffnung empfinde ich den Artikel des Bundestagsabgeordneten der FDP Sebastian Blumenthal “Überzeugen statt beschimpfen”.

Der Artikel ist ein guter Ansatz für einen fruchtbaren Dialog mit Teilen der FDP und ich sage bewußt nur mit “bestimmten Teilen der FDP”. Gegenseitiges “in die Pfanne hauen” - FDP-Bashing - mag zwar ab und zu der eigenen inneren Frusthygiene dienen, bringt aber letztlich niemanden ernsthaft weiter. Das Netz und der Wahlkampf in Schleswig-Holstein und NRW werden in absehbarer Zeit genügend Gelegenheit für eine auch scharfe inhaltliche Auseinandersetzung mit der FDP bieten.

Gefragt ist deshalb eine inhaltliche Debatte die die Positionen klar macht und dem Wähler Kriterien für eine rationale Wahlentscheidung an die Hand gibt. Unstrittig wird man dabei aus meiner Sicht auch das bisherige politische Verhalten der FDP in Bund und Ländern heranziehen und dann kommt man auf Dinge wie die “Möwenpick-Steuer” zu sprechen. Sorry, aber das ist nun einmal Politik der FDP.

Kommen wir auf die dialogfähigen Teile der FDP zurück mit denen ein sinnvoller Dialog aus meiner persönlichen Überzeugung möglich ist. Der marktradikale Flügel der Hayeck-Theologen (inkl. der M. Friedman Propagandisten) der zwar gern “Systemrelevantes” rettet und dabei Verluste gern sozialisiert während Gewinne privatisiert werden, sind für mich ebenso wenig ein Diskussionspartner wie diejenigen die in leitender politischer Stellung seinerzeit die Parole von der “spätrömischen Dekadenz” von Hartz IV Empfängern vertreten haben.

Leute wie Gerhart Baum, Sabine Leutheuser-Schnarrenberger u.a. das sind für mich ernst zu nehmende Liberale im besten Sinn des Wortes. P. Rösler, Bahr oder Lindner sind für mich die Vertreter der “neoliberalen Boygroup” die die FDP “erfolgreich” heruntergewirtschaftet haben.

Ein sich Verweigern bei Fragen wie Mindestlohn oder Finanztransaktionssteuer und das Entkoppeln von ESM und Finanztransaktionssteuer im Auftrag von Frau Merkel wie heute im Bundestag von Herrn Brüderle zelebriert, zeigen mir nur einmal mehr dass es zum jetzigen Zeitpunkt aus meiner Sicht keine Existenzberechtigung für eine FDP im Bundestag gibt. Deren Rolle wird fast nahtlos von der CDU bestens erfüllt. Das Blocken von Vorratsdatenspeicherung u.a. können auch die Grünen z.Z. bestens erledigen wenn und soweit sie sich endlich bequemen.

Dass die Piraten und eben nicht die FDP - von der CDU / CSU ganz zu schweigen - solche Dinge wie INDECT oder ACTA in die Öffentlichkeit bringen, ist dem Faktum geschuldet dass sich andere Parteien aus welchen Gründen auch immer nicht mit diesen Dingen befassen wollen oder können.

Die Liberalität der FDP ist daher bei genauer Betrachtung im Moment nur als sehr eingeschränkt zu charakterisieren. Im aufkommenden Wahlkampf für den Bundestag möge der Bessere gewinnen. Aus meiner subjetiven Sicht ist der “Bessere” z.Z. die frische Partei der Piraten und mit dieser Meinung stehe ich - obwohl selbst Parteimitglied der Piraten und insoweit “befangen” - wie aus den letzten Wahlergebnissen im Saarland nicht allein.

Nachtrag: Der Kern derer die in der FDP sind und mit denen man im Zweifel noch einen sinnvollen Dialog halten könnte scheint zu schrumpfen. Jedenfalls hat die Rösler-Bahr-Lindner-FDP es geschafft die “reine Lehre” vom “Kein Geld für die Rettung von Unternehmen” hinauszuposaunen und eine Transfergesellschaft für die 11.750 entlassenen Schlecker-Mitarbeiter zu verhindern. Die “Keine Knete für Prolete”-Haltung wird der FDP hoffentlich das baldige wohlverdiente “AUS” bringen.

Das e-Book, Gedanken zu einer anderen Art des Lesens

Ein Leben ohne Bücher? Unvorstellbar. Im Moment denke ich über die sog. “e-Books” nach, die elektronischen Bücher. Unbestreitbar ist dass man auf einem Lesegerät mehrere Hundert Bücher speichern kann.

Aber ich habe noch Fragen, als da wären:

1. Elektronische Bücher kann man nicht auf jedem beliebigen Lesegerät speichern. Wie es zur Zeit der Videokassette unterschiedliche Formate gab die nicht austauschbar waren, so streiten auch heute die Anbieter noch über einheitliche Formate (ePub, PDF, Kindleformat) und schaffen so künstliche Probleme. Ich will nicht rätseln welchen Reader ich für welches eBook brauche und ich will ALLE meine zukünftigen eBooks auf EINEM Reader haben. Und das gilt für alle meine deutschen, englischen UND russischen Bücher.

Der Streit zwischen Kindle und dem Rest der Welt geht mir etliche Werst an einem meiner Körperteile vorbei. M.a.W. liebe Hersteller einigt Euch.

2. Ein Papierbuch braucht keine Aufladung an der Steckdose und wenn es herunterfällt kann man es i.d.R. auch weiterhin lesen. Man kann es sogar - nach Trocknung - selbst dann lesen wenn es in die Badewanne gefallen ist. Gilt das auch für Lesegeräte? Zu meinem Buch brauche ich auch kein Netzteil zum Aufladen. Was mache ich wenn ich das Netzteil zuhause vergesse? Aufladen über USB? Und wo erstelle ich eine Sicherheitskopie meiner Bücher? Im Internet?

3. Ich kaufe sehr oft gebrauchte Bücher und spare so manchen Euro. Denn selbst durch hundertfaches Lesen leiden die Buchstaben nicht und man kann so manchen Euro sparen. Gebrauchte eBücher? Ich denke dass die Verlage das wohl nun gerade NICHT haben wollen. Zudem sind bisher die Preise für diese Bücher i.d.R. auch nur unwesentlich niedriger als für die gedruckte Ausgabe obwohl viele Kosten wie Lagerhaltungskosten usw. usf. nicht anfallen. Kann mir das jemand erklären?

Aber ich denke für meine Fachliteratur werde ich es versuchen. Ich erspare mir so viele unnötige Kilo Reisegepäck. Mal sehen wann ich es umsetzen kann. Ich werde dann berichten.

Aber ganz am Rande bemerkt, ein Buch ist mehr als nur lesen, es ist “begreifen” im wahrsten Sinn des Wortes. Und Bücher wie “Der Herr der Ringe” oder “Der kleine Prinz” sind bei mir im Buchregal. Ob sie je als eBook bei mir auftauchen?

P.S. Ich habe es befürchtet, der eBook Markt ist noch relativ jung. So ist es auch kein Wunder, daß neben den fehlenden einheitlichen Standards auch versucht wird, sich den Markt mit mehr oder minder legalen Mitteln zu sichern.

Einsparvorschläge gefällig? … Herr Bahr, übernehmen Sie …

Mal wieder Zeit was ins Tagebuch zu schreiben. War heute beim Arzt UND im Krankenhaus. Lieber Gott, was habe ich wieder gelernt. Bestimmte Medikamente und Behandlungen bekommt man von der Krankenkasse nur erstattet wenn man zugleich auch noch Diabetes hat. Super, eine Krankheit allein reicht nicht, da darf man seine Behandlung selber zahlen.

Irgendeine Logik dabei sichtbar? Nein? Was macht der der sie nicht bezahlen kann? Solche Leuteb soll’s ja geben, ALGII-Empfänger, im Volksmund HartzIV genannt z.B.  Tja, das erinnert mich stark an eine Begebenheit aus dem Jahre 1997. Damals war ich im Kaukasus, genauer in Armenien tätig. Im Rahmen einer Dienstfahrt fuhren wir in ein Bergdorf um die dortige “Erste-Hilfe-Station” in Augenschein zu nehmen. Nach 3-stündiger Fahrt von Erivan mittels Geländewagen Lada Niva in die Berge erreichten wir das kleine Dorf. Der dortige “Felscher”, nach unserem Verständnis ein Ersthelfer = Sanitäter, erklärte uns, dass Leute im Winter bei schneeverwehten Strassen nicht ins Krankenhaus gebracht werden können. Auf unsere Nachfrage was dann passiere erklärte er, sie werden sterben. So einfach ist das.

Und im Sommer? Im Sommer kommt es darauf an ob jemand genug Geld aufbringen kann um dem Krankenwagen das Benzingeld zahlen zu können. Falls nicht … siehe Ergebnis im Winter.

Wir sehen also, mit unserer “Gesundheitsreform” mit “Eigenanteil” und dem Zusammenstreichen von ärztlichen Leistungen bewegen wir uns in genau die richtige Richtung. Falls der Bundesregierung noch ein paar Einsparideen fehlen, oder nicht klar ist wohin mit den aufgelaufenen Krankenkassengeldern, ich könnte da aus meinen Erfahrungen in Zentralasien einiges beisteuern. Z.B. hat man zeitweilig in Turkmenistan das Zahlen von Rente gänzlich eingestellt. Allerdings hat man zugleich vergoldete Statuen des “Vaters aller Turkmenen”, Turkmenbashi, ein Diktator der sich jedenfalls auf seine westlichen Geschäftspartner verlassen konnte,  aufgestellt. Ok, darauf können wir hier verzichten, Angela Merkel in Gold … na ich weiß nicht.

Jedenfalls wer dann in Turkmenistan keine Kinder hatte, der war irgendwie “schwer gekniffen”. Das wäre doch auch mal was was den deutschen Staatssäckel entlastet, oder? Herr Bahr, bitte übernehmen Sie … und erklären Sie uns kurz die Logik dieser Regelung, wir sind da sehr gespannt.

Nachtrag 14.3.2012

Der Sachverständige in Gesundheitsökonomiefragen Bert Rürup, der die Bundesregierung schon seit 30 Jahren berät (man merkt’s) schlägt vor, die Praxisgebühr zu senken, dafür aber bei JEDEM Arztbesuch zu erheben. Tja, ob damit gleichzeitig auch die im Hartz IV beinhaltete Gesundheitspauschale von wahnsinnigen 14,08 Euro erhöht werden wird, darf bezweifelt werden. Die Folge: Wer seine Pauschale in einem Monat “verpraßt” hat, der geht eben später zum Arzt, wenn wieder Geld da ist, wenn, ja wenn er diesen Moment noch erlebt. Armenien läßt schön grüßen. Aber das dürfte “Sachverständigen” aus dem Maschmeyer-Imperium eh wurst sein.

Ja, die Frauenquote bringt es … unbedingt

Heute ist “Internationaler Frauentag”. Der einst in den Ländern des “real existierenden Sozialismus” gefeierte Tag wurde in den Ländern des”real existierenden Kapitalismus” i.d.R. ignoriert. Nachdem nurmehr der “real existierenden Kapitalismus” übrig geblieben ist (gesiegt hat er ja nicht) erinnert sich zwar der eine oder andere noch an diesen Tag aber feiern? Kaum.

Das  hindert aber nicht das Thema “Gleichberechtigung” wieder einmal auf die Tagesordnung zu bringen. Anlaß ist eine Umfrage der Piratenpartei zur innerparteilichen Gleichberechtigung und Geschlechterdebatte und deren Ergebnisse. Auf alle Fälle jedenfalls sei eine Frauenquote ziemlich wichtig für die Politik.

Selbst der Landesgeschäftsführer der SPD in Berlin beeilte sich zu versichern, seine Partei sei einen Schritt weiter als die Piraten. Seit mehr als 20 Jahren gäbe es eine Frauenquote, und das habe den Parteialltag verändert.Den Parteialltag mag es verändert haben. Aber hat es den Frauen letztlich geholfen?

Wohlweislich vergaß er dabei wohl zu erwähnen, daß seine Partei auf Bundesebene u.a. mittels der Hartz IV Regelungen mit daran beteiligt ist, das Leben von allein erziehenden Müttern nicht gerade besonders einfach gemacht zu haben. Und diese Hartz IV Regelungen kamen dann TROTZ Quote zustande. Oder hatten die “Quoten-Frauen” der SPD einfach keinen Einfluß auf das Ergebnis? Ob das besonders frauenfreundlich ist, mag ein jeder selbst für sich entscheiden. Jedenfalls halten wir fest, die Frauenquote in der SPD hat keinen Einfluß auf die Frage ob die Politik der SPD nun frauenfreundlich ist.

Um es klar zu sagen, ja, ich bin für die Gleichberechtigung der Frau, aber nicht per Quotenbeschluß. Interessant erscheint mir die Aussage einer gerade nicht mehr als “sehr jung” zu bezeichnenden Frau neulich. Sie, mit DDR Hintergrund, faßte es so zusammen, “wenn die Frauen gleichberechtigt sein wollen, dann werden sie sich selber darum kümmern müssen. Aber Quotenfrauen sind nur Alibi-Frauen.”

Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Auch auf die Gefahr eines Shitstorms (den überlebe ich) habe ich eine Meinung zum Thema. Ich bin gegen die Frauenquote. Amtsinhaber sollten ihre Position auf Grund ihrer Qualifikation erhalten und nicht weil sie das richtige Geschlecht und zufällig auch die passende Qualifikation haben. Mit dieser Ansicht stehe ich übrigens in guter Übereinstimmung mit immerhin 73 % der befragten Frauen.


Ja, die Piraten und die Frauenquote. Wenn man den Tenor der Vertreterinnen der Frauenquote hört dann könnte man glauben die Frauenquote bringt bessere weil menschlichere Verhaltensweisen auf allen Ebenen und damit letztlich auch bessere Ergebnisse für alle. Und deshalb brauchen wir eine Frauenquote. Brauchen wir sie wirklich?

Prima, dann prüfen wir doch einmal die Realität. Die Frauenquote in der Bundesregierung dürfte kaum als schlecht zu bezeichnen sein. Bei 16 Kabinettsmitgliedern haben wir 6 Frauen im Ministerrang, bzw. als Kanzlerin, also 37,5 %. Keine schlechte Quote.

Wir haben eine Kanzlerin, eine Bundesbildungsministerin, eine Verbraucherministerin, eine Bundesfamilienministerin, die FDP stellt eine Bundesjustizministerin, die ich mal vom Rest ihrer Kolleginnen ausnehmen will. Und last but not least haben wir eine Bundesarbeitsministerin. Und … die Ergebnisse unserer Bundesregierung sind ein super, oder so. Oder etwa nicht?

Von der Bildungsministerin ist nichts Weltbewegendes zu hören und da Bildungspolitik Ländersache ist fragt man sich sowieso womit Frau Schavan ihr Geld verdient.

Die Verbraucherministerin zieht zwar ab und zu ein Dirndl an und schlendert über die Grüne Woche, aber sonst?

Die Bundesfamilienministerin schlägt sich für die “Heim-am-Herd”-Prämie genannt Betreuuungsgeld aber ansonsten?

Die Bundesarbeitsministerin und “Mutter der Nation” gefällt sich darin geschönte Arbeitslosenstatistiken zu verbreiten ohne wohlweislich kund zutun dass viele der “neuen Jobs” prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind die noch per Hartz IV “aufgestockt” werden müssen.

Lediglich die Bundesjustizministerin zeigt dass man als Frau nicht einknicken muss. Vorratsdatenspeicherung und ACTA stießen auf den Widerstand von Leutheusser-Schnarrenberger, zugegeben nachdem man ihr “aufs Pferd helfen mußte”

Und die Kanzlerin? Eilt von EU Gipfel zu EU Gipfel und streut deutsche Gelder in die angebliche Rettung des Euro oder Griechenlands (wahlweise) und erhöht so die von ihr gegeißelten Staatsschulden.

Man sieht, man muss einfach nur eine Quote haben und schon läuft’s. Oder eben auch nicht. M.E. nach ist die Frage der Frauenquote jedenfalls i.d.R. dann irrelevant wenn es um die Ergebnisse der Politik einer bestimmten Partei geht. So war Maggy Thatcher sicher eine Frau, war deshalb ihre Politik des puren Neoliberalismus gut? Die Partei Bündnis90/Grüne hat eine hohe Frauenquote. Hat das die Fraktion gehindert gemeinsam mit der SPD den Finanzmarkt zu “deregulieren”? Oder hat es die Grünen daran gehindert der “Agenda 2010” zuzustimmen? Politischer Quatsch bleibt für mich politischer Quatsch, egal ob ein Mann oder eine Frau ihn verzapfen. Der Beweis daß die Quote zu besserer Politik führt steht bisher noch aus.

Ehre wem Ehre gebührt … oder … das Schweigen der Lämmer

Seit dem 17 Februar 2012 ist Deutschland ohne Bundespräsident. Der derzeitige Bundesratspräsident, der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer, nimmt zur Zeit die Funktion des Bundespräsidenten wahr.

Die Geschichte um den ehemaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens Christian Wulff, der der auserwählte Kandidat der Bundeskanzlerin Merkel war und der es letztlich im dritten Wahl gegen den Gegenkandidaten Gauck schaffte, ist hinlänglich bekannt und soll daher hier nicht wiederholt werden.

Die derzeitige Debatte dreht sich nun noch um die Frage soll der ehemalige Bundespräsident den sog. “Ehrensold” von 199.000 .- Euro jährlich bekommen soll oder nicht. Wulff selbst hat seinerzeit in einem Fernsehinterview in seiner Eigenschaft als Bundespräsident zum Problem Stellung genommen und auch die Frage nach der Berechtigung der Höhe des Ehrensolds gestellt. Dass der ehemalige Präsident den Ehrensold bekommt ist nun einmal zunächst Gesetz.Voraussetzung dafür ist allerdings dass der scheidende Präsident nicht aus persönlichen Gründen aus dem Amt ausscheidet. Ob der Rücktritt Wulffs nun aus persönlichen Gründen erfolgte oder aus politischen Gründen ist umstritten. Während von einer Seite vorgetragen wird dass der Rücktritt auf politischen Gründen basiert und Wulff daher der Ehrensold zustehe, wird u.a. von Hans Herbert von Arnim vertreten, dass der Rücktritt Wulffs seinen Grund allein im persönlichen Bereich des ehemaligen Bundespräsidenten zu suchen sei und ein Anspruch auf den Ehrensold daher nicht bestehe. Weiterhin sei die Entscheidung der Rechtmäßigkeit des Ehrensoldanspruchs Wulffs schon deshalb fraglich, weil die Entscheidung im Bundespräsidialamt von Mitarbeitern getroffen worden sei, deren Dienstherr Wulff noch vor kurzer Zeit gewesen seien.



Interessant ist für mich, wie sich der Streit selbst durch die Parteien zieht. Der SPD Bundestagsabgeordnete Peter Danckert sagte, eigentlich dürfe Wulff schon deshalb keinen Ehrensold erhalten, weil er nach einer peinlichen Affäre unehrenhaft aus dem Amt geschieden sei. Das Wort Ehrensold sei in seinem Fall völlig Fehl am Platz. Andererseits vertritt sein Fraktionskollege und Parteivorsitzender Sigmar Gabriel die Ansicht dass es fragwürdig sei die Regelung über den Ehrensold generell zu ändern, nur weil sie in 60 Jahren ein einziges Mal fragwürdig sei. Ein ehemaliger Bundespräsident könne zudem nur schwer in seinen früheren Beruf zurückkehren. 

Mit Spannung würde ich gern einmal zu Gast sein, wenn der Genosse Gabriel diesen seinen Standpunkt z.B. einer gerade entlassenen Mitarbeiterin der Firma Schlecker klarzumachen versucht, die deshalb gleich auf Hartz IV gesetzt wird, weil sie nicht genug Beitragszeiten für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat.



Da ist in meinen Augen selbst der Finanzminister Schäuble näher am Volk wenn er gestern in einem seltenen Anflug von Realitätsnähe in der Bundestagsdebatte zur Steuerreform feststellt dass 15 bis 25 Euro monatlich für Kleinverdiener von Belang seien. Wenn es eines Beweises bedurft hätte dass sich Teile der politischen Klasse von ihren Wählern und deren Lebensrealität um Lichtjahre entfernt haben, dann ist es die Äußerung vom SPD Chef.



Die Krone der Debatte erringt allerdings der SPD Abgeordnete Thomas Oppermann. Er ist nämlich der Ansicht Schuld an der ganzen Misere sei letztlich die Partei „die Linke“. Die hätte nämlich mit der Nominierung einer eigenen Kandidatin, der Journalistin Luc Joachimsen, dazu beigetragen dass Wulff gewählt worden sei und nicht der Kandidat der SPD und der Grünen, Joachim Gauck. Hätte die Linke seinerzeit auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und Gauck mitgewählt, so wäre Deutschland die Affaire Wulff erspart geblieben.



Herr Oppermann verkennt allerdings in dieser seiner verqueren Wahlarithmetiküberlegung dass jede Partei das Recht hat eigenen Kandidaten zu bennen. Offensichtlich geht Herr Oppermann immer noch von der „Koch-und-Kellner“-Situation aus in der die SPD anderen Parteien sagen könne was die letztlich zu tun hätten.

Bleibt die Frage ob Wulff den Ehrensold erhalten soll. Diese Frage muss letztlich jeder für sich selbst beantworten. Insbesondere die Abgeordneten des Bundestages sollten sich schleunigst eine eigene Meinung bilden und diese im Zweifel auch zum Ausdruck bringen. Abgeordnete die sich bei dieser Frage einer Fraktionsdisziplin unterwerfen werden sich im Zweifel den Fragen ihrer Wähler stellen müssen. Das Schweigen der Lämmer sollten sie in dieser Angelegenheit nicht als Vorbild nehmen.

“Die Gesetze sind den Spinnweben gleich, da die kleinen Fliegen und Mücken innen bleiben henken, die Wespen aber und Hornissen hindurchdringen.” - Christoph Lehmann, Florilegium Politicum, Politischer Blumengarten, 1662

Nachtrag: Die Frage nach dem Ehrensold für Wulff hat Wulff jedenfalls schon beantwortet. Er beharrt darauf. Hingegen verzichtet sein Vorgänger, Horst Köhler, auf den Ehrensold. Er kann sich das wegen seiner anderen Einkünfte leisten. Den Vogel schießt allerdings wieder einmal die SPD ab. Sie will Wulff auch noch den Zapfenstreich zum Abschied streichen.

Good bye Maria, mach’s gut.

Ich blogge schon seit geraumer Zeit. erst gab es eine kleine WEB Site über Russland, dann kam ein erster Blog über Russland. Der Blog zog um und ist nun schon seit einigen Jahren online.

Blogging ist zeitintensiv wenn man es richtig machen will und meine Selbstdisziplin ließ oft zu wünschen übrig. Da war dann Maria aus Essen. Wir haben uns “im Netz” getroffen und dann haben wir uns auch im wahren Leben getroffen.Du hast meine Blogs fast von Anfang an gelesen. Du hast mich immer angeschupst wenn schon länger nichts mehr dort passierte. Du hast auch Korrektur und gelesen und Du warst meine unerbittlichste Kritikerin. Kürzer ist besser, das war Dein Credo.

Deine Kritik habe ich sehr ernst genommen, auch wenn wir uns in den letzten Jahren nicht so oft mehr gesehen hatten. Skype und Email und von Zeit zu Zeit eben das Telefon, so blieb der Kontakt am Leben. Viel haben wir besprochen in den13 Jahren in denen ich Dich kannte. Du hast mir den Ruhrpott gezeigt den ich ohne Dich wohl nie besucht hätte. Seit dem weiß ich u.a. was der Baldenei See ist und wo er liegt. Das Volkwang Museum, hätte ich es ohne Dich je besucht? Viele Bücher hätte ich ohne Dich nie bemerkt geschweige denn gelesen. Du hast nicht nur mein Leben bereichert.

Selbst zutiefst persönliche Dinge konnte ich mit Dir bereden, danke dafür. Zuletzt habe ich Dich in 2010 besucht. Ich wollte Dich immer noch besuchen. Nun ist es zu spät. Am 14. Februar bist Du für immer gegangen. 63 Jahre ist kein Alter zum Abtreten. Du wirst uns fehlen.